Nach dem Anschlag am Rande des Christopher Street Day (CSD) in Berlin warnt Thüringens Verfassungsschutzpräsident Stephan Kramer vor einer einseitigen Diskussion. «Die deutsche Staatsangehörigkeit relativiert die islamistische Gefahr nicht - der libanesische Hintergrund erklärt sie aber auch nicht. Unbeteiligte Muslime sind kein kollektives Sicherheitsrisiko», sagte Kramer der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt.
Radikalisierung komplett in Deutschland möglich
Am späten Samstagabend war ein Auto am Rande des Berliner CSD in eine Menschenmenge gefahren. Die Behörden hatten nach dem Angriff nach dem 21-jährigen Abdul B. gefahndet, der mehr als ein Dutzend Menschen mit dem Van angefahren haben soll. Eine Frau wurde so schwer verletzt, dass sie starb. Der Tatverdächtige, der den Angaben der Polizei zufolge polizeibekannt war und der islamistischen Szene in Berlin zugerechnet wurde, wurde am Sonntag bei einem Polizeieinsatz in Berlin getötet.
Verfassungsschützer Kramer gab zu bedenken, dass islamistische Radikalisierung längst ein innerdeutsches Phänomen sei. «Die Ideologie ist transnational, der Radikalisierungsprozess kann aber vollständig oder überwiegend in Deutschland stattfinden - Freundeskreise, soziale Medien, lokale Szenen, Gefängnisse oder Auslandsreisen.» Es handele sich um «homegrown terrorism». «Wir reden teilweise von Kindern ohne zunächst jeglichen Bezug zum Islam», sagte Kramer.