Konzentriert setzt die zwölfjährige Tamara den Füllfederhalter an und schreibt mit Bedacht los. Herauskommt eine aus vielen Bögen und Schwüngen, aber auch zackigen Kanten bestehende Schrift. Das Geschriebene könnte kaum weiter von einer «Sauklaue» entfernt sein und alle Worte sind auf Deutsch. Dennoch: Nur wenige Menschen werden die Schrift entziffern, geschweige denn selbst zu Papier bringen können. Es ist Sütterlin.
Der Grafiker Ludwig Sütterlin entwickelte die Schreibschrift ab 1911 im Auftrag des preußischen Kultusministeriums aus der bis dahin gebräuchlichen Deutschen Kurrentschrift. Zuerst wurde sie in den Schulen Preußens unterrichtet, dann breitete sie sich aus. 1941 wurde sie von der deutschen Normalschrift abgelöst.