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Auktionen als Chance und Hürde für Thüringer Kunstsammlungen

Das Thüringer Landesmuseum Heidecksburg tätigt pro Jahr im Schnitt zwei bis drei Ankäufe auf Auktionen. (ArchivbildI) / Foto: Michael Reichel/dpa-Zentralbild/dpa
Das Thüringer Landesmuseum Heidecksburg tätigt pro Jahr im Schnitt zwei bis drei Ankäufe auf Auktionen. (ArchivbildI) / Foto: Michael Reichel/dpa-Zentralbild/dpa

Seltene Kunstwerke kehren auch durch Auktionen nach Thüringen zurück – doch nicht selten bremsen knappe Budgets und kurze Fristen die Museen aus.

Ob kostbare Cranach-Gemälde, Goethe-Handschriften oder seltenes Thüringer Porzellan: Thüringens große Museen nutzen Kunstauktionen gezielt, um verlorene oder fehlende Stücke für ihre Sammlungen zu erwerben. Doch oft entscheiden knappe Budgets und kurze Fristen darüber, ob bedeutende Kulturgüter nach Thüringen geholt werden können, wie eine Umfrage unter einigen großen Häusern ergab.

«Auktionen spielen für unsere Erwerbungsstrategie eine wichtige, wenn auch nicht alltägliche Rolle», fasst Sabrina Lüderitz, Direktorin des Thüringer Landesmuseum Heidecksburg in Rudolstadt, für ihr Haus zusammen. Auch die Klassik Stiftung Weimar und die Friedenstein Stiftung Gotha erwerben in unregelmäßigen Abständen auf diesem Weg Exponate für ihre Sammlungen. Für andere Einrichtungen wie die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten spielen Auktionen den Angaben zufolge hingegen keine Rolle.

Wenn ein Schnitzaltar unerreichbar bleibt

Das Landesmuseum in Rudolstadt tätigt Lüderitz zufolge - abhängig vom Angebot - im Schnitt zwei bis drei Ankäufe auf Auktionen pro Jahr. Besondere Objekte waren demnach unter anderem eine Porzellantabatiére mit Fürstenbildnis, Gemälde von regionalen Künstlern sowie eine moderne Grafik des Klosters Paulinzella. Das Nachsehen hatte das Museum bei einem Schnitzaltar, der den Experten zufolge nachweislich aus Schwarzburg stammte. 

Die Entscheidung für einen Erwerb falle dabei nach klaren fachlichen Kriterien: Neben der Relevanz für die Sammlung spielten auch die Seltenheit, der Erhaltungszustand und natürlich das Preis-Leistungs-Verhältnis eine Rolle. Besonders interessant seien Stücke, die dem Fürstenhaus Schwarzburg-Rudolstadt zuzuordnen seien, sagt Lüderitz. Schwerpunkte liegen der Direktorin zufolge vor allem dort, wo Sammlungsreihen ergänzt werden müssten - etwa beim Thüringer Porzellan, bei historischen Verlusten oder wo Lücken bestehen. 

Suche auch auf eBay und Facebook

«Besonders wertvoll sind Objekte, die eindeutig einer regionalen Werkstatt oder einem historischen Kontext zugeordnet werden können», sagt Lüderitz. Um potenzielle Ankäufe zu identifizieren, hielten mehrere Mitarbeiter aktiv Ausschau. Die Entscheidung werde anschließend im Team getroffen.

Neben fachspezifischen Seiten im Internet spielten auch Plattformen wie eBay oder sogar Facebook eine immer größere Rolle bei der Suche. Größtes Problem beim Ankauf stellten meist die Budgetgrenzen dar.

Auch die Stiftung Schloss Friedenstein beobachte den Kunsthandel aufmerksam, sagt Sprecherin Susanne Finne-Hörr. So seien in jüngerer Zeit unter anderem das Gemälde «Salome mit Johannesschüssel» von Lucas Cranach d.Ä. und die Rubens-Ölskizze «Heiliger Gregorius von Nazianz» erworben werden. «Aus Gothaer Perspektive haben Objekte Priorität, die zur historischen Sammlung gehörten.» 

Verlorene Werke auf dem internationalen Kunstmarkt

Noch heute gebe es viele Stücke aus einem sogenannten Unrechtskontext, so Finne-Hörr. Gemeint sind Exponate, die einmal Teil der Gothaer Sammlung waren und unrechtmäßig entwendet wurden - etwa in den Wirren der Weltkriege oder durch Diebstahl. Derartige Objekte tauchten immer wieder in Deutschland, der Schweiz, den USA, Frankreich oder Großbritannien auf.

Eine der Aufgaben des Provenienzforschers der Gothaer Stiftung liege darin, die Gothaer Verluste aufzuarbeiten, um diese wieder zurückführen zu können. Die größte Herausforderung liege vorwiegend in der Finanzierung: Bei Auktionsankündigungen bleibe meist nicht genug Zeit, um die notwendigen Gutachten und eine restauratorische Einschätzung einholen sowie einen Drittmittelantrag erfolgreich stellen zu können. 

«Die Museen in Deutschland haben hier meistens das Nachsehen.» Zudem fehle unter anderem beim Kunsthandel Schweiz häufig das Unrechtsbewusstsein in Bezug auf unrechtmäßig erworbene Gegenstände.

Goethes Handschriften zurück in Weimar 

Die Klassik Stiftung Weimar erweitert ihre Bestände einer Sprecherin zufolge nach abgestimmten wirtschaftlichen und strategischen Gesichtspunkten. Im November 2025 hatte das Goethe- und Schiller-Archiv der Klassik Stiftung Weimar demnach bedeutende Handschriften der Weimarer Klassik ankaufen können: Insgesamt konnten 22 Autographen erworben werden, darunter seien sieben eigenhändige Stücke Goethes gewesen. Für dieses Jahr seien einige Erwerbungen geplant, nähere Angaben dazu wurden aber nicht gemacht.

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