So richtig sicher, was sie hier erwartet, ist Sandra Hesse nicht. Die Leiterin des Vollzugsdienstes in Nordhausen in Thüringen steht vor einem beigen Plattenbau. Ihr Ziel: Einen jungen Bürgergeldempfänger herausklingeln und zu einem Arbeitseinsatz bringen. Neben ihr ein Kollege, wie sie in Uniform, und ein Sozialarbeiter. Sie stehen das erste Mal an der Adresse. In den vergangenen Wochen hat sie viel erlebt. Abgeschaltete Klingeln, überfüllte Briefkästen, Verwahrlosung, Einsicht, aber auch deutliche Ablehnung. Hesse klingelt und immerhin - es summt.
Im Landkreis Nordhausen lässt sich derzeit im Kleinen beobachten, worüber Deutschland im Großen heftig diskutiert. Wie gerecht ist das Bürgergeld? Wie viel Druck braucht es? Wer kann in reguläre Arbeit kommen? Und helfen schärfere Sanktionen wirklich? Die Bundesregierung plant Verschärfungen, bei der ersten Debatte im Bundestag Mitte Januar ging es hoch her. Geht alles wie geplant, gelten ab Juli schärfere Regeln für die 5,3 Millionen Bezieher in Deutschland - bis hin zu Totalsanktionen.