532 Erwachsene in Thüringen nahmen an Alphabetisierungs- und Grundbildungskursen teil
In Thüringen haben im vergangenen Jahr 532 Erwachsene an einem Kurs zur Alphabetisierung und Grundbildung teilgenommen. Das geht aus Daten des Thüringer Bildungsministeriums hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. Angeboten wurden 151 Kurse mit 4.114 Unterrichtseinheiten. Weitere 662 Unterrichtseinheiten wurden dazu genutzt, um mögliche Betroffene zu erreichen. Zu den größten Herausforderungen gehöre, die Menschen zu erreichen - gerade diejenigen, die in Deutschland aufgewachsen und hier zur Schule gegangen seien, sagte Fabian Walpuski von der Fach- und Koordinierungsstelle Alphabetisierung und Grundbildung beim Volkshochschulverband Thüringen. Es werde immer Menschen geben, die sich von den Angeboten nicht angesprochen fühlten, «aufgrund der negativen Lernerfahrung, die sie so gemacht haben». Manche gingen mit ihren Defiziten durchs Leben, andere entschieden sich etwa durch eine berufliche Veränderung, daran etwas zu ändern. Nach Angaben der Kultusministerkonferenz verfügt jeder fünfte Erwachsene in Deutschland zwischen 16 und 65 Jahren über geringe Lese- und alltagsmathematische Kompetenzen. Die Bildungsministerinnen und Bildungsminister von Bund und Ländern beschlossen vergangene Woche bei einem Treffen in Berlin das Bündnis für Alphabetisierung und Grundbildung 2027-2035 (AlphaBündnis). «Der Bund fördert Forschung und innovative Ansätze, damit mehr Erwachsene passende Unterstützung finden und längerfristig lernen können», hatte Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) erklärt. Ein Schwerpunkt soll demnach auf einer gezielteren Ansprache liegen. Die Angebote sollen stärker an den unterschiedlichen Lebenslagen und Grundbildungsbedarfen ausgerichtet werden. «Wer nicht ausreichend lesen und schreiben kann, ist in seinen Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe, beruflichen Erfolg und ein selbstbestimmtes Leben erheblich eingeschränkt. Das dürfen wir nicht hinnehmen», sagte Thüringens Bildungsminister Christian Tischner (CDU). Bildungsgerechtigkeit ende nicht mit dem Schulabschluss. «Deshalb müssen wir Menschen auch im Erwachsenenalter Wege eröffnen, grundlegende Kompetenzen zu erwerben und zu stärken.» Niemand dürfe aufgrund mangelnder Grundbildung dauerhaft von gesellschaftlichen Chancen ausgeschlossen bleiben. Walpuski erklärt, dass die Menschen in solchen Kursen oft ein ganz unterschiedliches Niveau beim Lesen und Schreiben haben. «Da sind auch Leute, die durchaus schon lesen und schreiben können, aber nicht auf einem Niveau, dass sie mehr oder weniger selbstständig Dinge erledigen können - etwa im Beruf, so dass sie immer wieder auf Unterstützung angewiesen sind», sagte Walpuski. In den Kursen säßen meist nur drei bis sieben Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Motivation, an einem solchen Kurs teilzunehmen, ergibt sich manchmal schon aus der Alltagserfahrung. «Im Alltag gibt es eigentlich kaum Situationen, wo man nicht mit Schriftsprache konfrontiert ist», sagte Walpuski. Dazu gehöre beispielsweise, Anträge bei Behörden einzureichen, aber auch eine Fahrkarte zu lösen. «Das bedeutet dann einfach, dass die Menschen in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen nicht komplett ausgeschlossen sind, aber auch nicht voll teilhaben können.» In Thüringen sieht das Erwachsenenbildungsgesetz eine landesweite Grundversorgung bei der Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener vor. Mit der Novellierung 2026 wurde eine Förderung von Grundbildungsmaßnahmen gesetzlich verankert. Im vergangenen Jahr flossen dafür rund 400.000 Euro. Für Teilnehmende sind die Kurse in der Regel gebührenfrei. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenBund und Länder legen neues Programm auf
Teilnahme kostenlos, kleine Kursgrößen
Thüringen fördert Grundbildungsmaßnahmen