Im Kampf gegen Unterrichtsausfall wird auch digitaler Unterricht als Lösung diskutiert: Praktiker sehen in digitalen Formaten zwar Potenzial, jedoch kein Allheilmittel. Für den Vorsitzenden des Thüringer Lehrerverbands, Tim Reukauf, ist digitaler Unterricht für bestimmte Fächer und eher an höheren Klassenstufen am Gymnasium denkbar. «Die Schülerinnen und Schüler müssen eine gewisse Reife mitbringen», sagt Reukauf der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt. Gymnasiasten bereite das auch schon für ein mögliches Studium vor, indem sie sich Inhalte verstärkt auch selbst aneigneten und sich selbst organisierten.
Treffen nur einmal im Halbjahr
Lehrerin Julia Günther unterrichtet in dem Format Schülerinnen und Schüler aus ganz Thüringen – persönlich trifft sie ihre Schützlinge nur etwa einmal im Halbjahr, um eine Klausur zu schreiben. «Die Schüler entscheiden sich bewusst, auch in diesem Format zu lernen, um diesen Unterricht haben zu können», sagt sie. Der Digitalunterricht werde nur dort angeboten, wo es sonst keine andere Möglichkeit gibt, katholischen Religionsunterricht anzubieten. «Aus meiner Sicht funktioniert es auch mit anderen Fächern, wenn Strukturen klar sind, wenn eine Kommunikationsmöglichkeit geschaffen ist», sagt sie.
Selbst Diskussionen etwa zu Tod und Sterben führt sie im digitalen Raum mit den Schülerinnen und Schülern, beispielsweise per Videokonferenz. «Ich habe da sehr gute Erfahrungen gemacht.» In anderen Fächern seien aber mehr Präsenzformate nötig, räumt sie ein – etwa in Chemie, um Experimente durchzuführen.
Änderung der Schulordnung geplant
Thüringens Bildungsministerium plant erneut eine Änderung der Schulordnung, um für mehr Rechtssicherheit beim digitalen Unterricht zu sorgen, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. Es gehe etwa um Aspekte des Datenschutzes und der Barrierefreiheit und um Standards für digitale Lern- und Schulverwaltungsumgebungen.
Außerdem sollen «Regelungen zur Stärkung des selbstorganisierten Lernens zur modernen Unterrichtsgestaltung» in die Schulordnung aufgenommen werden, «auch zur Ermöglichung des schul- und schulartübergreifenden (hybriden) Lernens». Hybrides Lernen sei etwa denkbar, wenn Schülerinnen und Schüler Kurse mit nur sehr wenigen Teilnehmern gewählt haben – so wie bei «KathReliOnline».