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Thüringen: Mischung aus grüner Schultafel und digitalen Systemen weit verbreitet

Thüringen: Mischung aus grüner Schultafel und digitalen Systemen weit verbreitet
Die Digitalisierung zieht zunehmend in die Thüringer Klassenräume – aber heißt das auch Abschied von der Kreidetafel? (Symbolbild) / Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Von: DieThüringer News
Sie ist eine Ikone im Klassenzimmer. Doch die klassische grüne, analoge Tafel hat längst digitale Konkurrenz bekommen. Lernen ABC-Schützen nun eigentlich auch auf Tablets das Schreiben?

Whiteboards oder gar Smartboards und Tablets statt der klassischen grünen Tafel für den Unterricht? In manchen Thüringer Schulen wird deutlich stärker mit Alternativen zur althergebrachten Kreidetafel gearbeitet. Ein Abgesang auf das klassische Lehrmittel muss aber noch lange nicht angestimmt werden. Das zeigt eine Nachfrage beim Bildungsministerium und beim Thüringer Lehrerverband.

Wie viele klassische Kreidetafeln gibt es in den Schulen?

Im vergangenen Schuljahr waren 14.557 der 18.216 Unterrichtsräume in Thüringer Schulen laut Ministerium entweder mit interaktiven digitalen Tafeln oder Beamer-Technik ausgestattet – also etliche, aber längst nicht alle Räume.

Und: Nur, weil es in einem Klassenzimmer eine digitale Tafel gibt, bedeutet das längst nicht, dass dort die grüne Variante ausgedient hätte. «Vielerorts wurden die Räume mit einer Kombination aus digitaler und "analoger" Präsentationstechnik versehen», heißt es dazu aus dem Ministerium. Häufig gebe es etwa an Grundschulen digitale Displays mit angehängten «analogem» Seitenflügel.

Tim Reukauf, Pressesprecher des Thüringer Lehrerverbands und selbst Lehrer, beschreibt die Situation so: «Wir haben in Thüringen ein wildes Durcheinander, aber das liegt an den Schulträgern, die selbst für die Schulausstattungen verantwortlich sind». Nach wie vor gebe es Klassenzimmer nur mit einer grünen Tafel. «Aber es gibt auch solche, wo fast nur noch ein großer Bildschirm hängt.»

Werden grüne Schultafeln überhaupt noch gekauft?

Ein Auslaufmodell ist die grüne Tafel auch deshalb nicht, weil sie laut Bildungsministerium weiterhin gekauft werden. In den Online-Shops von Schulausstattern sind verschiedene klassische Modelle genauso zu haben wie Whiteboards – also für abwischbare Marker geeignete weiße Kunststofftafeln – oder auch interaktive digitale Tafeln. 

Überwiegend, so heißt es aus dem Ministerium, werde in Thüringens Schulen eben auf eine Kombination aus digitaler und analoger Präsentationstechnik gesetzt. Auch Metastudien zeigten, dass eine Mischung von analogen und digitalen Hilfsmitteln sinnig sei.

Ist die eine sinniger als die andere Tafel-Variante?

Unter Umständen ja: Ob Lehrerinnen und Lehrer ein Tafelbild an einer digitalen oder analogen Oberfläche aufbauten, mache im Grunde keinen Unterschied, so das Ministerium. Die digitale Variante könne mehr Potenzial bieten, wenn mit Schülerinnen und Schülern etwas entwickelt werden oder multimediale Inhalte eingebunden und der Lernprozess veranschaulicht werden solle. 

Auch bei längeren fächer- und medienübergreifenden Unterrichtsprojekten könnten Smartboards und ähnliche Technik nützlicher sein. Aber: Entspreche es den Lernzielen und Kompetenzen, könnten etwa Übungen mit Kreide auf der grünen Tafel genauso sinnvoll und ausreichend sein.

Welche konkreten Beispiele gibt es dafür?

Lehrer und Verbandssprecher Reukauf – der 2015 seine Examensarbeit über «Das Ende Kreidezeit» an Schulen geschrieben hat – formuliert es so: «Die Erstklässler wollen Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Dafür braucht es kein Tablet, da tut es auch die grüne Kreidetafel.» An weiterführenden Schulen eröffneten digitale Tafeln dagegen ganz andere Möglichkeiten.

«In Wirtschaft und Recht kann ich mir dann live die Börsen-Kurse mit der Klasse ansehen.» In Geografie könne mit Internet-Karten und Zoom Einblick in andere Regionen viel eher vermittelt werden als mit einem althergebrachten großen Kartenwerk. «Man muss es als Hilfsmittel betrachten - nicht als Allheilmittel», fasst Reukauf seinen Blick auf die Möglichkeiten digitaler Tafeln zusammen.

Gibt es andere Vor- und Nachteile?

Die grüne Schultafel sei einfach und unkompliziert zu nutzen, robust und bringe, wenn überhaupt, nur geringe Betriebskosten mit sich, zählt das Ministerium auf. Bei den Anschaffungskosten unterscheide sich eine hochwertige klassische Tafel dagegen kaum von manchen digitalen Systemen. Interaktive Varianten mit vielen Funktionalitäten seien aber tatsächlich teurer. 

Zudem sei es bei digitalen Varianten entscheidend, dass sowohl Lehrerinnen und Lehrer als auch Schülerinnen und Schüler kompetent mit den digitalen Werkzeugen umgehen könnten. Das betonen sowohl das Ministerium als auch Reukauf. «Ich habe meinen Unterricht komplett auf Powerpoint umgestellt – aber da merkt man auch, wie störanfällig das ist, wenn das Internet ausfällt. Da ist es gut, wenn man auch noch eine grüne Schultafel hat, mit der man klarkommt.» Gut wäre, wenn Schulen auf externe Technik-Experten zugreifen könnten, wenn die Systeme nicht so wollen, wie sie sollen. 

Wird die grüne Tafel perspektivisch doch verschwinden?

Reukauf geht nicht davon aus, dass das allzu schnell passieren wird. «Schon allein wegen der Handschrift: Da ist es gut, wenn die Schülerinnen und Schüler sehen, wie an der Tafel geschrieben wird; dass das "L" einen Schwung, das "B" einen Bauch hat.» Gleichzeitig erlebe er jetzt schon neunte Klassen, in denen die Jugendlichen statt Heftern zum Schreiben auf ihren Laptops Word-Dokumente öffneten. Den kompletten Abschied von der grünen Tafel schließt er auch nicht aus: «Schule wird sich immer wandeln und muss offen sein».

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