Mal ziert das Antlitz von Johann Sebastian Bach den Korpus, mal ein grell leuchtender Totenkopf: Die E-Gitarren von Martin Hengstermann sind Hingucker. Doch ihre eigentliche Besonderheit liegt unter dem Lack. Denn die Instrumente aus seiner kleinen Werkstatt im ostthüringischen Kahla bestehen nicht aus Holz, sondern aus Carbonbeton. Für manche Kunden rührt der 39-Jährige den Werkstoff auf Wunsch auch schon mal mit Bier an. «Das ist aber eher so eine Personalisierungsidee», sagt der promovierte Maschinenbauingenieur.
Mit dem Baustoff kam der Hobby-Gitarrenspieler während seines Studiums an der Technischen Universität in Dresden in Berührung. Der mit Carbonfasern verstärkte Werkstoff wird etwa für Brücken, Fassaden und die Sanierung alter Bauwerke verwendet. Für Hengstermann, der schon lange für sich privat Instrumente fertigt, lag irgendwann die Frage nahe, ob sich daraus nicht auch E-Gitarren herstellen lassen. «Ich hatte den Anspruch, mal etwas Neues zu machen.» Mehrere Jahre tüftelte er an der Konstruktionsweise, inzwischen hat er einen Teil davon zum Patent angemeldet.