Andrej Iwanowitsch Moiseenko ist ein zugewandter Mann. Er redet gerne und lacht viel. Wer ihn trifft, mag erstaunt sein, dass dieser aufgeweckte Mann am 1. Mai 100 Jahre alt wird. Und was mit noch mehr Erstaunen zurücklassen dürfte: Dass dieser Mann die Abgründe der Menschheit überlebt hat und zu einem lebensfrohen Menschen ohne Verbitterung werden konnte.
Wenige Tage nach dem Gespräch mit dpa kehrt er zum Ort seiner biografischen Zäsur zurück – wie jedes Jahr seit einiger Zeit. In der Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar nimmt er, der in Minsk lebt, als einer von zwei Überlebenden an der Gedenkfeier zur Befreiung des Konzentrationslagers vor 81 Jahren teil. «Ich kann mich an Gedenkfeiern erinnern mit deutlich mehr Überlebenden», sagt Moiseenko. «Eigentlich gibt es fast keine mehr.»
Es falle ihm nicht schwer, jedes Jahr zurückzukommen. Die Gedenkfeiern seien für ihn immer mit vielen Möglichkeiten verbunden, mit Menschen in Kontakt zu kommen. Er spreche dann mit Schülern bei Vorträgen und Filmvorführungen. So lange wie möglich möchte er von seinem Schicksal berichten. «Ich bin dankbar, dass es Leute gibt, die sich für meine Geschichte interessieren.» Lange Zeit in seinem Leben habe er mit niemandem darüber gesprochen.