Die Pflege im Heim wird für alte Menschen in Thüringen zu einer immer größeren finanziellen Belastung. Die von Pflegebedürftigen im ersten Heimjahr zu tragenden monatlichen Zuzahlungen haben zum Jahreswechsel die Marke von 3.000 Euro übertroffen. Sie lagen zum Stichtag 1. Januar bei exakt 3.005 Euro, wie der Verband der Ersatzkassen ausgewertet hat. Das sind 209 Euro mehr als zu Jahresbeginn 2025 und 96 Euro mehr als am 1. Juli 2025. Sozialverbände sehen die Entwicklung mit großer Sorge.
Anstieg trotz Entlastungszuschlägen
Seit 2022 gibt es neben den Zahlungen der Pflegekasse auch Entlastungszuschläge für die reinen Pflegekosten. Die Höhe der Zuschläge hängt von der Dauer des Heimaufenthalts ab. Im ersten Jahr werden die Pflegekosten um 15 Prozent gedrückt, im vierten Jahr um 75 Prozent. Auch mit diesem höchsten Zuschlag waren zum 1. Januar in Thüringen noch 1.865 Euro aus eigener Tasche fällig, 106 Euro mehr als vor einem Jahr.
Kassen: Land muss Investitionskosten übernehmen
Um Pflegeheimbewohner zu entlasten, sieht der Ersatzkassenverband neben Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU), die «endlich Entscheidungen für ein nachhaltiges Pflege-Finanzierungssystem treffen» müsse, auch das Land in der Pflicht. Thüringen müsse die Investitions- und Ausbildungskosten der Pflegeheime übernehmen, «damit diese nicht von den Pflegebedürftigen zu schultern sind», verlangte Verbandslandesleiter Robert Schöning. Aktuell werden diese Kosten nach seinen Angaben eins zu eins auf die Pflegebedürftigen umgelegt. Allein die Investitionskosten seien für sie binnen eines Jahres um 5,6 Prozent gestiegen.
Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte die vollständige Übernahme von Ausbildungs- und Investitionskosten durch das Land. Die Landesregierung dürfe sich «bei der Finanzierungspflicht nicht länger aus der Verantwortung stehlen», erklärte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. «Für Unterbringung, Verpflegung und überdurchschnittlichen Komfort sollte weiterhin jeder selbst zahlen.»