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Warum heimische Mücken oft gefährlicher sind als Exoten

Warum heimische Mücken oft gefährlicher sind als Exoten
Nicht nur durch die Übertragung von Krankheiten, sondern auch durch die schiere Masse im Auftreten können Mücken zur Plage werden. (Symbolbild) / Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa
Von: DieThüringer News
Wer glaubt, Tigermücken seien das größte Risiko, irrt: Heimische Stechmücken verbreiten das West-Nil-Virus mittlerweile bis nach Sachsen und Thüringen. Was das für Grillfans bedeutet.

Egal, ob im Wald, am See oder in der Stadt: Überall gibt es viele Mücken, die eine unbeschwerte Zeit im Freien trüben können. «Es gibt viel Unwissen und Falschinformationen, wenn es um das Thema Mücken geht», sagt Doreen Werner vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF), die zusammen mit dem Friedrich-Loeffler-Institut das Projekt «Mückenatlas» leitet. Die Mithilfe von Hobbyforschern sei ein wichtiges Instrument, um mögliche Bedrohungen in Schach zu halten.

Der Mückenatlas ist ein seit 2012 laufendes Projekt der beiden Institute. Bürgerinnen und Bürger können dort gefangene Mücken einsenden, die wissenschaftlich bestimmt und auf Krankheitserreger untersucht werden. Das ZALF ist ein außeruniversitäres Forschungszentrum des Bundes und der Länder mit Sitz im brandenburgischen Müncheberg.

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Eingeschleppte Art bislang ohne Erregernachweis

Obwohl Stechmücken wie die Tigermücke breite Aufmerksamkeit erregten, gehe aktuell von den eingeschleppten Arten keineswegs die größte Gefahr aus: «Bei den invasiven Mückenarten waren bisher noch keine Würmer oder Viren nachweisbar», so die Expertin. Obwohl diese als potenzielle Überträger infrage kämen und etwa durch den Güterverkehr und Touristen «praktisch ständig» aus Südeuropa eingeschleppt würden, könnten sich die Erreger im Mückenspeichel unter den aktuellen klimatischen Bedingungen in Deutschland nicht optimal über einen längeren Zeitraum vervielfältigen. 

Angesichts sich wandelnder Umweltbedingungen mit längeren Warmphasen sei das in Zukunft zwar nicht auszuschließen - aktuell gebe es dafür aber keinen Nachweis. «Die Wahrscheinlichkeit liegt aber nicht mehr bei null.»

Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) wurde in Deutschland erstmals 2007 dokumentiert. Sie ist inzwischen vor allem in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz verbreitet, aber auch in Thüringen und Berlin nachgewiesen. Die Tigermücke gilt als potenzieller Überträger von Krankheitserregern wie Dengue-, Chikungunya- und Zika-Viren. Für eine effiziente Übertragung dieser Viren braucht es jedoch Temperaturen, die über längere Zeiträume konstant hoch bleiben.

Einheimische Mücken als Virusüberträger

Als zentraler Überträger für Krankheitserreger wie das West-Nil-Virus, das vor allem für ältere oder kranke Menschen durchaus gefährlich werden kann, gilt hingegen ein selbstverständlicher Begleiter vieler Sommerabende im Freien: die Gemeine Hausmücke. Daten des Friedrich-Loeffler-Instituts und des Robert Koch-Instituts zufolge haben die einheimischen Stechmücken das Virus von Berlin und Brandenburg ausgehend mittlerweile auch bis nach Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen verbreitet. Das West-Nil-Virus wurde in Deutschland erstmals im Spätsommer 2019 bei Menschen nachgewiesen, die sich hierzulande infiziert hatten.

Doch nicht nur durch die Übertragung von Krankheiten, auch durch die schiere Masse im Auftreten können Mücken zum Problem werden - sei es etwa die einheimische Rheinschnake oder die eingeschleppte Tigermücke. «Beide Arten sind extrem penetrant und lästig», so Werner. Anders als etwa die Hausmücke flögen sie ihre Opfer unnachgiebig an und ließen sich kaum vertreiben. Zudem träten sie teils in so großer Zahl auf, dass sie auch unter die wissenschaftliche Definition des Wortes «Plage» fielen: Diese liegt bei 20 oder mehr Stichen pro Minute. «Unter solchen Umständen ist kein Grillabend mehr möglich.» 

Die Rheinschnake (Aedes vexans) ist eine heimische Überschwemmungsmücke, deren Larven sich nach Hochwasserereignissen in überschwemmten Wiesen und Auen massenhaft entwickeln. Sie kann in kurzer Zeit enorme Populationsdichten erreichen und legt bis zu mehrere Kilometer zurück, um Wirte zu finden.

Kriebelmückenstiche bergen Infektionsrisiken

Für teils beachtliche Wunden sorgt hingegen die Kriebelmücke. Anders als etwa die Stechmücken, die ihren Opfern das Blut über einen feinen Rüssel aussaugen, reißen diese Tiere einen kleinen Krater in das Unterhaut-Bindegewebe, bis sich ein kleiner Blutstropfen bildet, der aufgeleckt wird. Problematischer als der Stich selbst seien die möglichen Folgen unsachgemäßer Behandlung, erklärt Werner. 

«Bei Kriebelmückenstichen - wie bei allen Einstichstellen - gilt vor allem: Hände weg von der Hautöffnung», warnt Werner. Selbst leichte Verunreinigungen, die beim Kratzen in die Wunde gelangten, könnten teils ernste Sekundärinfektionen nach sich ziehen. Kriebelmücken leben und vermehren sich an sauerstoffreichen Fließgewässern. 

Gnitzen gelangen selbst durch Zeltplanen

Eine ähnliche Blutsaugtaktik - dafür aber in der Regel völlig im Verborgenen - verfolgt auch die Gnitze. Die meist nur ein bis zwei Millimeter großen Tiere blieben oft völlig unbemerkt, bis sich der juckende Stich bemerkbar mache, so Werner. Wer sich auf der Flucht vor Gnitzen in sein Zelt zurückzieht, ist auch hier nicht sicher: Aufgrund ihrer Größe könnten sich die winzigen Plagegeister selbst durch den dünnen Gaze-Stoff von Zeltplanen hindurchzwängen. Gnitzen sind weltweit mit mehreren Tausend Arten vertreten.

Welche der Mücken die unangenehmsten Stiche verursacht, kann jedoch von wissenschaftlicher Seite aus nicht eindeutig beantwortet werden: Jede Reaktion auf einen Stich hänge vom eigenen Immunsystem ab, sagt Werner. Zudem beeinflusse der beim Stich abgesonderte Protein-Cocktail die Reaktion: So könnten für den Körper ungewohnte Proteine zu stärkeren Abwehrreaktionen führen.

Mückenforscher sind auf Unterstützung angewiesen

Um das Vorkommen und die Verbreitung von Mücken zu dokumentieren und beim Auftreten potenziell gefährlicher Arten möglichst schnell einschreiten zu können, seien die Mückenforscher auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen, sagt Werner. Bisher hätten in Deutschland rund 42.000 Teilnehmer mehr als 250.000 Stechmücken für die Forschung gefangen und eingeschickt. Neu entstandene Mückenpopulationen seien anfangs recht einfach zu eliminieren. Deshalb sei die zeitnahe Unterstützung extrem wichtig für eine schnelle Reaktion.

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