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Mordermittlungen und mehr: Polizei setzt auf Geheimortung

Mordermittlungen und mehr: Polizei setzt auf Geheimortung
Im vergangenen Jahr verschickte die Thüringer Polizei rund 15.700 «stille SMS», um Handys von Tatverdächtigen zu orten. (Symbolbild) / Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/dpa-tmn
Mit einem speziellen Technikkniff dürfen Polizei und Verfassungsschutz bei bestimmten Ermittlungen Handys orten. Wie das geht, was das kostet und was die «stillen SMS» bringen.

Bei Ermittlungen zu besonderen Kriminalfällen hat die Thüringer Polizei im vergangenen Jahr etwa 15.700 Mal sogenannte stille SMS verschickt, um den Aufenthaltsort von Verdächtigen festzustellen. Das geht aus Antworten des Innenministeriums auf parlamentarische Anfragen des Linke-Innenpolitikers Ronald Hande hervor.

In Dutzenden Ermittlungsverfahren kam diese Ortungsmethode demnach zum Einsatz. Dabei ging es den Angaben zufolge etwa um Mord-Vorwürfe oder den Verdacht auf Geldwäsche, schweren Raub oder Brandstiftung.

Mit Hilfe von stillen SMS können Ermittler oder Verfassungsschützer relativ genau feststellen, in welcher Mobilfunkzelle sich ein Handy befindet. Das erlaubt wiederum Rückschlüsse darauf, wo sich die Person aufhält, die dieses Handy bei sich trägt.

Der Versand von stillen SMS durch die Polizei ist durch die Strafprozessordnung allerdings nur dann erlaubt, wenn es darum geht, Straftaten von erheblicher Bedeutung aufzuklären. Welche Straftaten darunter fallen, ist im Gesetz ausdrücklich geregelt, sodass die Ermittler nur einen begrenzten Ermessensspielraum haben. Datenschützer halten den Einsatz für problematisch.

SMS kommt an, macht sich aber nicht bemerkbar

Die Funktionsweise der Methode steckt dabei schon im Namen: Dazu werden Kurznachrichten an die entsprechenden Handys geschickt, deren Empfang allerdings nicht im Display angezeigt wird. Sie lösen auch nicht den Ton aus, den ein Handy üblicherweise ausgibt, wenn es eine Kurznachricht empfängt.

Durch den Empfang einer stillen SMS erhalten die Behörden vom Telefon eine Rückmeldung dazu, in welcher Mobilfunkzelle das Handy eingeloggt ist, womit sich dessen Standort relativ präzise, wenn auch nicht ganz genau bestimmen lässt.

Auch der Thüringer Verfassungsschutz nutzte im vergangenen Jahr sowie im ersten Quartal 2026 die auch als «Stealth Ping» (Englisch in etwa «heimliches Klingeln») bekannte Methode: In diesem Zeitraum versandte die Behörde demnach etwa 480 stille SMS.

Der Inlandsnachrichtendienst habe so immer wieder den Aufenthaltsort von drei Menschen zu ermitteln versucht, die über insgesamt fünf Telefonnummern verfügten. Zahlen des Verfassungsschutzes für das Jahr 2025 sind in den Angaben nicht enthalten.

Tausende Euro an externen Dienstleister

Für die Methode müssen die Behörden derweil auch Geld in die Hand nehmen. Etwa 19.200 Euro sind laut Angaben aus den Antworten des Innenministeriums für den Versand stiller SMS an externe Dienstleister bezahlt worden.

Die Preise pro stiller SMS sind demnach gestaffelt. «Der Versand der ersten 500 SMS ist in der monatlichen Grundgebühr enthalten», schreibt das Ministerium an Hande. Anschließend werde je versandter SMS abgerechnet.

Aus den Antworten des Innenministeriums geht auch hervor, dass für die Nutzung dieser Technik durch den Verfassungsschutz im vergangenen Jahr sowie im ersten Quartal des laufenden Jahres insgesamt etwa 4.700 Euro bezahlt worden sind. «Hierbei handelt es sich um Vertragskosten», heißt es. Die Personalkosten des Verfassungsschutzes sowie andere Kosten zum Betrieb der entsprechenden Anlage seien nicht berücksichtigt worden.

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