In Thüringen melden sich immer mehr Opfer häuslicher Gewalt beim Weißen Ring. Die Beraterinnen und Berater im Freistaat waren im vergangenen Jahr in 161 derartigen Fällen tätig, wie die Opferhilfeorganisation zu ihrer Landestagung an diesem Samstag in Gotha der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Damit ging es im vergangenen Jahr in rund jedem dritten Beratungsfall um häusliche Gewalt. Die Anzahl der Opfer von Gewalt in der Familie, die sich an den Weißen Ring wenden, ist damit in den vergangenen Jahren stetig gewachsen: von 112 Fällen im Jahr 2022 auf 148 im Jahr 2024.
Zuvor war die EU-Abgeordnete Marion Walsmann (CDU) als Landesvorsitzende des Weißen Rings in Thüringen für die nächsten vier Jahre bestätigt worden. Die CDU-Politikerin begleitet dieses Amt bereits seit 2014. «Unser Auftrag bleibt es weiterhin, den Opfern den Weg in ein selbstbestimmtes Leben zu ebnen und an ihrer Seite zu stehen», erklärte Walsmann bei ihrer Wahl am Freitag.
Der Weiße Ring steht seit Jahrzehnten Kriminalitätsopfern mit Beratung, Begleitung und finanzieller Hilfe zur Seite. Die Organisation finanziert sich aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen und vom Gericht zugewiesenen Geldauflagen. In Thüringen beraten derzeit den Angaben nach 62 Frauen und 35 Männer ehrenamtlich Opfer von Straftaten oder Angehörige nach Tötungsdelikten. Im Jahr 2025 wurde der Weiße Ring in Thüringen in insgesamt 476 Fällen aktiv. Bei den Opfern gebe es eine Dunkelziffer, sagte Lisa Berg vom Landesbüro. «Nicht jeder, der eine Anzeige stellt, meldet sich beim Weißen Ring oder umgekehrt.»