Die Gedenkstätte Buchenwald beklagt, dass sie zunehmend von extremen politischen Gruppen für deren eigene Zwecke instrumentalisiert wird. «Wir haben im letzten Jahr schon erhebliche geschichtspolitische Verwerfungen rund um den Jahrestag erlebt und es ist leider Gottes überhaupt nicht besser geworden», sagte der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner.
Weniger Überlebende, mehr politischer Missbrauch
Je weniger Überlebende des NS-Terrors es gebe, die sich gegen eine Vereinnahmung und Instrumentalisierung wehren könnten, desto mehr würden Gedenkstätten und die Erinnerungskultur zur Bühne aktueller politischer Auseinandersetzungen missbraucht, sagte Wagner. «Politische Gruppierungen versuchen auf dem Rücken der Überlebenden und deren Angehörigen ihre eigenen politischen Zwecke und Ziele durchzusetzen.»
Der Historiker und Gedenkstättenleiter verwies in diesem Zusammenhang auf die Kampagne «Kufiyas in Buchenwald» von linksradikalen und propalästinensischen Aktivisten, die zu Protesten während des Gedenkwochenendes zum 81. Jahrestag der Befreiung des NS-Konzentrationslagers aufgerufen haben. Die Stadt Weimar lehnte die Aktion am Ettersberg im Bereich der Gedenkstätte ab, sie bot der Protestgruppe alternative Orte für ihre Demonstration an.