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Webdesign in Thüringen: Woran Unternehmenswebsites die Anfrage verlieren

Webdesign in Thüringen: Woran Unternehmenswebsites die Anfrage verlieren
Bild: Moderne Unternehmenswebsite als wichtiger Baustein für digitale Kundengewinnung. Quelle: KI-generiert mit OpenAI
Von: Manfred Schulz
Thüringens Unternehmen geben sich für ihren eigenen Digitalisierungsstand die Schulnote 2,8. Dreißig Prozent setzen bereits Künstliche Intelligenz ein, weitere 25 Prozent planen es für die kommenden drei Jahre.

Thüringens Unternehmen geben sich für ihren eigenen Digitalisierungsstand die Schulnote 2,8. Dreißig Prozent setzen bereits Künstliche Intelligenz ein, weitere 25 Prozent planen es für die kommenden drei Jahre. Das zeigt die Digitalisierungsumfrage 2026 der Thüringer Industrie- und Handelskammern. Digitalisierung ist in der Thüringer Wirtschaft angekommen.

Die eigene Website hinkt trotzdem oft hinterher. Das fällt selten auf, weil eine Website nicht ausfällt wie eine Maschine. Sie läuft weiter, sieht ordentlich aus und kostet nichts extra. Nur kommen kaum Anfragen an.

Die Entscheidung fällt auf dem Smartphone, meist in wenigen Sekunden

Ein großer Teil der Besucher ruft Unternehmensseiten mobil auf, oft unterwegs und mit einer konkreten Frage im Kopf. Google bewertet Seiten inzwischen anhand ihrer mobilen Version. Die offiziellen Hinweise zum Mobile-first Indexing beschreiben, was das praktisch bedeutet: Was auf dem Smartphone fehlt oder unbedienbar ist, existiert für die Suche faktisch nicht.

Neben der mobilen Darstellung entscheidet die Ladezeit. Große Bilddateien, nachgeladene Schriften und eine Handvoll Skripte summieren sich schnell zu mehreren Sekunden. Googles Core Web Vitals messen genau das: Ladeleistung, Reaktionsfähigkeit, visuelle Stabilität. Sie messen also nicht, was im Backend passiert, sondern was der Besucher erlebt.

Mobile Darstellung und Ladezeit gehören in die Planung, nicht in die Nacharbeit. Für Betriebe, die eine Website erstellen lassen und damit gezielt Anfragen gewinnen wollen, entscheidet sich das Meiste bereits an der Struktur: welche Inhalte auf welcher Seite liegen, wie das Kontaktformular auf einem 360 Pixel breiten Display aussieht, wie schwer die Startseite wiegt. Ein Ofenbauer aus Erfurt, dessen Seite drei Sekunden lädt und dessen Anfrageformular sieben Pflichtfelder verlangt, verliert einen Teil seiner Interessenten, bevor sie überhaupt die Leistungen gelesen haben. Ladezeit, Core Web Vitals und eine saubere Mobile-First-Darstellung sind dabei keine Technikdetails. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass aus Besuchern überhaupt Anfragen werden. Genau diesen Anteil misst die Conversion.

Reparieren lässt sich das alles auch später. Es ist dann nur deutlich teurer als beim ersten Aufbau.

Warum reicht ein ansprechendes Design nicht aus?

Ein moderner Auftritt schafft Aufmerksamkeit. Er ersetzt keine Struktur. Große Bilder, Animationen und ausgefallene Schriften wirken nur dann, wenn sie den Inhalt tragen. Sonst sind sie Ballast und verschlechtern obendrein die Ladezeit.

Besucher kommen mit einem Anliegen. Sie suchen eine Leistung, vergleichen Anbieter oder brauchen eine Telefonnummer. Sind diese Informationen nicht innerhalb weniger Sekunden sichtbar, endet der Besuch.

Gutes Webdesign verbindet Gestaltung mit Funktion. Farben und Bilder geben Orientierung, die Seite führt von der ersten Information bis zur Kontaktaufnahme. Eine schöne Oberfläche ohne Nutzerführung bleibt eine digitale Visitenkarte.

Das eigene Angebot bleibt zu oft im Ungefähren

Viele Startseiten beginnen mit Qualität, Innovation und Kundennähe. Solche Begriffe stehen auf tausenden Seiten und unterscheiden niemanden. Sie erklären auch nicht, welches Problem der Betrieb löst.

Für Interessenten zählen drei Fragen: Welche Leistung gibt es, für wen, und wie nimmt man Kontakt auf? Wer das früh beantwortet, macht die Entscheidung leichter. Fachbegriffe und interne Bezeichnungen erschweren sie dagegen. Gute Inhalte übersetzen Leistungen in einen erkennbaren Nutzen.

Was bei übernommenen Websites am häufigsten fehlt

Die Diagnose fällt in der Praxis meist ähnlich aus. Max Prügner betreut mit MP-Webdesign aus Dresden rund 300 Unternehmenswebsites, überwiegend für Handwerks- und Baubetriebe: Ofenbauer, Badsanierer, Galabauer, Poolbauer.

„Wenn wir eine bestehende Website übernehmen, ist der Auftritt selten hässlich”, sagt Prügner. „Er ist unklar. Es steht nicht drauf, was der Betrieb macht, für wen, und in welchem Umkreis er arbeitet.”

Rund 30 bestehende Auftritte hat die Agentur im vergangenen Jahr übernommen und überarbeitet. Die häufigste Ursache für ausbleibende Anfragen lag dabei weder in der Technik noch im Layout. Die Betriebe traten nicht persönlich auf. Gekaufte Stockbilder statt eigener Fotos von Team und Baustelle. Texte, die genauso gut bei jedem Wettbewerber der Branche hätten stehen können. Kein Gesicht, kein Name, keine Handschrift. Wer so auftritt, gibt einem Interessenten keinen Grund, ausgerechnet ihn anzurufen.

Drei weitere Muster tauchen fast immer mit auf. Erstens: Die Leistungen stehen in einem einzigen Sammelblock, statt je eine eigene Seite zu bekommen. Dadurch rankt keine davon. Zweitens: Es gibt kein Ziel. Niemand hat definiert, was auf der Seite passieren soll, also passiert nichts. Drittens: Das Kontaktformular ist zu lang, weil man beim Aufbau alles abfragen wollte, was später vielleicht nützlich sein könnte.

Keines dieser Probleme lässt sich mit einem neuen Design lösen. Sie entstehen davor, bei der Frage, wofür die Seite eigentlich da ist.

Wie viel Thüringen-Bezug braucht eine Website wirklich?

Viele Betriebe arbeiten in einem klar begrenzten Gebiet: Handwerk, Beratung, spezialisierte Dienstleistungen. Die Website sollte zeigen, wo sie tätig sind.

Eine Liste mit Ortsnamen reicht dafür nicht. Hilfreicher sind konkrete Angaben zu Standorten, Einsatzgebieten und tatsächlich umgesetzten Projekten. Ein Referenzprojekt in Jena, eine Anfahrtszeit nach Gera oder ein Hinweis auf regionale Besonderheiten belegen Nähe. Eine Aufzählung von 40 Gemeinden tut das nicht.

Künstlich wiederholte Städtenamen fallen inzwischen sowohl Lesern als auch Suchmaschinen auf. Entscheidend bleibt, ob ein Interessent erkennt, dass der Anbieter seine Anforderungen kennt und erreichbar ist.

Vertrauen entsteht vor dem Formular, nicht danach

Bevor jemand eine Anfrage abschickt, prüft er den Anbieter. Veraltete Inhalte, fehlende Ansprechpartner und Stockfotos wecken Zweifel. Das gilt besonders bei Leistungen, die eine größere Investition bedeuten.

Was hilft, sind nachvollziehbare Informationen: reale Ansprechpartner mit Foto und Durchwahl, verständlich beschriebene Abläufe, konkrete Referenzen. Eine Meldung von 2021 auf der Startseite wirkt dagegen wie ein Laden, dessen Schaufenster seit Jahren nicht geräumt wurde.

Eine Website ist nie fertig

Der häufigste Fehler ist nicht der falsche Aufbau, sondern der Gedanke, das Projekt sei mit dem Livegang abgeschlossen. Eine Website, die Anfragen erzeugen soll, braucht regelmäßige Kontrolle.

Bei dieser Kontrolle zählen nicht die Besucherzahlen. Interessant ist, welche Seiten zu Anfragen führen und an welcher Stelle Nutzer abspringen. Beides lässt sich messen, und beides verändert sich.

Kundengespräche liefern zusätzliches Material. Wiederkehrende Fragen gehören in die Inhalte, unklare Leistungsbeschreibungen werden präzisiert, Formulare gekürzt.

Wer diesen Kreislauf einmal eingerichtet hat, bekommt eine Website, die mit dem Betrieb mitwächst. Wer ihn auslässt, hat in drei Jahren wieder eine Seite, die ordentlich aussieht und nichts bringt. Und zahlt dann erneut für einen Relaunch.

Manfred Schulz
Artikel von

Manfred Schulz

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