In mehreren Thüringer Regionen gibt es Aktionen, mit denen die Bezahlkarte für Geflüchtete umgangen werden soll. In Jena und Erfurt wird nach Angaben der Aktion «Abolish Bezahlkarte!» («Bezahlkarte abschaffen!») monatlich etwa 15.000 Euro Bargeld an Geflüchtete ausgegeben. Diese hätten zuvor mit ihrer Karte einen Gutschein bei einem Supermarkt eingekauft und abgegeben. In einzelnen Läden und Cafés können Menschen die Gutscheine wiederum kaufen und den Bargeldtopf somit wieder auffüllen.
Greizer Landratsamt sieht Entwicklung mit Sorge
In Greiz hingegen berichtet das Landratsamt von einer weiteren Initiative, die dort die Bezahlkarte unterwandern will. «Kritisch sehen wir, dass durch eine Tauschaktion - dazu noch organisiert - das Bezahlkartensystem ausgehebelt werden soll», teilte ein Sprecher mit. Es bestehe der Verdacht, dass der Missbrauch staatlicher Leistungen befeuert werden könne. Daher werde geprüft, wie die Tauschaktion unterbunden werden könne.
Konfrontation mit den Behörden gebe es bei den Aktionen in Jena und Erfurt bislang nicht, sagte Nana. Die Gruppe habe die Aktion bewusst öffentlich gemacht. Der Abverkauf der Gutscheine in den Läden laufe gut. «Das funktioniert und hat sich rumgesprochen.» Letztlich laufe die Aktion sehr solidarisch und auch das Netzwerk wachse. «In jeder blöden Sache, wie hier der Bezahlkarte, steckt auch etwas Gutes.»
Bezahlkarte fast überall in Thüringen
In Thüringen haben inzwischen alle Kreise eine Bezahlkarte für Flüchtlinge eingeführt. Auch die kreisfreie Stadt Gera hat sich im Oktober angeschlossen. Wie viel Geld jeweils noch bar ausgezahlt wird und wo die Karte gilt, ist teils unterschiedlich geregelt. Politisches Ziel ist unter anderem, Überweisungen in Heimatländer zu unterbinden. Die Städte Erfurt, Jena, Weimar und Suhl hatten zuletzt noch auf eine bundesweite Lösung gewartet.
Copyright 2024, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten