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Grünschnitt-Entsorgung in Thüringen: unterschiedliche Modelle und teils erhebliche Gebühren

Grünschnitt-Entsorgung in Thüringen: unterschiedliche Modelle und teils erhebliche Gebühren
In Thüringen handhaben Städte und Landkreise es teils sehr unterschiedlich damit, wo Grünschnitt und Laub entsorgt werden können. (Symbolbild) / Foto: Wolfgang Kumm/dpa
Laub und Gartenabfälle lassen sich auf Wertstoffhöfen, in der Biotonne oder im eigenen Garten entsorgen. Doch welche Regeln gelten wo und wie teuer kann es werden?

Die möglichst umfassende und kostengünstige Sammlung von Grünschnitt und Laub stellt die Thüringer Kommunen vor Herausforderungen. In der Regel können derlei Bioabfälle entweder auf Wertstoffhöfen abgegeben, in der Biotonne entsorgt oder im eigenen Garten kompostiert werden. 

Je nach Region gibt es weitere Entsorgungsmöglichkeiten wie kostenpflichtige Laubsäcke, öffentliche Grüncontainer oder die Abgabe in Agrarbetrieben. Im Detail unterscheiden sich die Arten und vor allem die Kosten je nach Landkreis jedoch teils erheblich.

Was die Entsorgung kosten kann

Während etwa für die Einwohner von Jena, Erfurt oder Weimar den Sprechern der Städte zufolge die Anlieferung von Grünschnitt kostenlos ist und über die Abfallgebühren finanziert wird, fallen in anderen Kommunen oft mengenmäßig gestaffelte Gebühren an. So bewegen sich den Sprechern zufolge etwa in Suhl die Kosten zwischen einem Euro pro Anlieferung bis 100 Liter und 12 Euro für Mengen zwischen einem und zwei Kubikmetern. Im Kreis Gotha werden pro Kubikmeter 10 Euro fällig, so die Sprecher.

Im Kreis Nordhausen wurde der Geschäftsführerin der Südharzwerke Nordhausen, Kathrin Materlik, zufolge 2012 eine eigene Grünabfallkarte für Privathaushalte eingeführt. Diese koste im Jahr 20 Euro, dafür könne das ganze Jahr über beliebig viel Grünabfall – jeweils in haushaltsüblichen Mengen – abgegeben und einmal jährlich eine Anhängerladung Kompost kostenlos abgeholt werden. Dieses Angebot werde gut angenommen, so Materlik. 

2026 seien bisher 8.564 Karten verkauft worden, bei rund 80.000 Einwohnern im Kreis sei das ein guter Wert. Seit diesem Jahr könne die Karte digital erworben werden, künftig solle das System Karteninhaber bei der Einfahrt in den Wertstoffhof automatisch identifizieren.

Den Grund für die unterschiedlichen Kosten und Modelle erklärt Carsten Rieder, Geschäftsführer des Gemeinde- und Städtebunds Thüringen (GStB): Seit dem 1. Januar 2015 seien die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger dazu verpflichtet, Bioabfälle getrennt von anderen Abfällen zu sammeln und zu verwerten. Realisiert werde dies entweder durch «Holsysteme» wie die Braune Tonne oder durch «Bringsysteme» wie die Abgabe auf Wertstoffhöfen. 

Zwischen Hol- und Bringsystemen

Da eine Abholung für die Bürger bequemer sei, seien hier in der Regel auch die Verwertungsquoten höher. Bei beiden Systemen seien die größeren Städte im Vorteil - weil in der Regel sowohl der Weg zum Wertstoffhof als auch die Routen für Müllfahrzeuge deutlich kürzer seien. In ländlichen Regionen müssten Sammelfahrzeuge hingegen oft viele Kilometer zurücklegen, was mit deutlich höheren Kosten verbunden sei. Daher werde hier meist auf ein Bringsystem zurückgegriffen.

In den meisten Kommunen scheinen die unterschiedlichen Regelungen zu greifen: Fast alle befragten Kommunen sprechen von einer steigenden Nachfrage. So wurden Materlik zufolge im Jahr 2025 in Nordhausen erstmals 9.000 Tonnen Grünabfall abgeliefert. Im Kreis Gotha waren es den Sprechern zufolge im selben Jahr rund 3.300 Tonnen und in Jena und Weimar rund 2.500 Tonnen. In den meisten Kommunen wird der Grünschnitt kompostiert und im Anschluss zum Verkauf angeboten, teilweise werden die Abfälle auch in Biomasseheizkraftwerken genutzt.

Illegale Entsorgung belastet auch Umwelt

Die illegale Ablagerung von Grünschnitt spiele im Vergleich zu anderen Müllarten keine große Rolle, hieß es übereinstimmend. Dennoch handele es sich dabei keineswegs um ein Kavaliersdelikt: «Das verbreitete Argument "Das verrottet doch ohnehin" greift aus mehreren Gründen zu kurz», erklärt unter anderem Materlik. Problematisch sei etwa die Verbreitung von invasiven Arten wie dem Riesenbärenklau, Bambus oder dem Götterbaum. Derlei Abfälle müssten unbedingt getrennt und dürften keinesfalls in der Natur entsorgt werden.

Zudem könne der höhere Nähstoffeintrag eigentlich nährstoffarme Standorte überdüngen, durch die Beseitigung entstünden unnötige Kosten für die Allgemeinheit. Andere Sprecher verwiesen auf eine erhöhte Überschwemmungsgefahr, wenn Grünschnitthaufen bei Starkregen in die Gewässer gelangen. Daher werde das Ablegen von Grünschnitt als Ordnungswidrigkeit geahndet – je nach Art und Umfang könne ein Bußgeld von bis zu 1.500 Euro fällig werden.

Warum die Entsorgung wohl teurer wird

In der Regel werden Grünabfälle an Wertstoffhöfen bis zu einer Menge von maximal zwei Kubikmetern angenommen, auch bei maximaler Länge und Durchmesser des Grünguts gibt es teilweise Einschränkungen. Baumwurzeln, Wurzelstöcke sowie mit Plastik, Steinen oder anderen Stoffen verunreinigte Lieferungen werden meist ebenfalls nicht angenommen. 

Grundsätzlich sei die Verwertung von Grünabfällen – anders als bei Metallen oder Papier – dem Gemeinde- und Städtebund zufolge kein Geschäft, mit dem sich Geld verdienen ließe. Die Einnahmen etwa durch den Kompostverkauf könnten die Ausgaben nur zu einem geringen Anteil auffangen. Aufgrund steigender Energie- und Personalkosten sei daher mit einem stetigen Anstieg der Abfallgebühren zu rechnen.

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