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Thüringens Städte setzen auf grüne Infrastruktur

Erfurts historische Altstadtfassaden in Pastellfarben mit Cafés, Grün und blauem Himmel über gepflastertem Platz
Erfurt zeigt, wie grüne Infrastruktur den öffentlichen Raum widerstandsfähiger macht – ohne Aufenthaltsqualität und Stadtbild aus dem Blick zu verlieren. / Foto: lapping auf pixabay.com

Hitzeperioden, Starkregen und zunehmende Flächenversiegelung setzen Thüringens Städte immer stärker unter Anpassungsdruck. Gefragt sind Lösungen, die den öffentlichen Raum widerstandsfähiger machen, ohne Aufenthaltsqualität und Stadtbild aus dem Blick zu verlieren. Wie unterschiedlich Erfurt, Jena und Weimar diese Aufgabe angehen, zeigt sich an mehreren konkreten Projekten.

Klima-Resilienz und Schwammstadt-Konzepte

Der Wandel hin zu zukunftsfesten Städten erfordert ein grundlegendes Umdenken in der urbanen Wasserwirtschaft. Anstatt Niederschläge rasch über die Kanalisation abzuleiten, setzen viele thüringische Kommunen verstärkt auf das Leitbild der Schwammstadt. Durch die Entsiegelung asphaltierter Plätze, das Anlegen von Versickerungsmulden sowie die Installation unterirdischer Rigolen wird Regenwasser im städtischen Raum gespeichert. Diese Zwischenspeicherung entlastet bei Unwettern die Entwässerungssysteme und kühlt durch spätere Verdunstung die direkte Umgebung. Ergänzt wird dieses System durch die systematische Begrünung von Dächern und Fassaden kommunaler Bauten, wodurch gleichzeitig neue Mikrolebensräume entstehen.

„Eine Schwammstadt reduziert das Überflutungsrisiko und Überlastungen des Kanalnetzes. Gleichzeitig wirkt sie gegen Wasserarmut und ist gut für Mikroklima und Diversität.“
(Deutsches Institut für Urbanistik gGmbH)

Nachhaltiges Stadtmobiliar in Erfurt


Nachhaltiges Stadtmobiliar geht weit über Bepflanzungen hinaus: langlebige Materialien schonen Baumbestände und prägen das Stadtbild. (Bild KI-generiert mit ChatGPT)

Eine grüne Infrastruktur beschränkt sich keineswegs nur auf Bepflanzungen. Sie umfasst ebenso den bewussten Einsatz langlebiger Materialien im öffentlichen Raum. Ein prägnantes Beispiel für kreislaufgerechtes Stadtmobiliar bieten die Parkbänke des deutschen Herstellers BENKERT BÄNKE. Das fränkische Unternehmen verzichtet gezielt auf Tropen- und Harthölzer und nutzt stattdessen vollständig recycelbare Materialien wie Edelstahl, um der Witterung dauerhaft standzuhalten und wertvolle Baumbestände zu schonen. In Erfurt prägen die Parkbänke von BENKERT bereits an mehreren zentralen Stellen das Stadtbild, etwa auf dem historischen Plateau des Petersbergs und im Umfeld des Mehrgenerationen-Wohnprojekts AndreasGärten.

Hitzeschutz und Schattenoasen in Jena

Aufgrund der Lage im tief eingeschnittenen Saaletal gehört Jena zu den klimatisch am stärksten geforderten Städten des Freistaats. Um die gesundheitliche Belastung der Bevölkerung in den Sommermonaten zu minimieren, setzt die Stadtverwaltung auf einen integrierten Hitzeaktionsplan. Neben der Aufstellung von Trinkwasserbrunnen und der Installation von Verschattungselementen (z. B. Sonnensegeln) bildet die Anpflanzung hitzeresistenter Stadtbäume das Rückgrat der Anpassungsstrategie. Großkronige Bäume wirken im dichten Altstadtkern als natürliche Klimaanlagen, da sie Schatten spenden und durch Transpiration die Lufttemperatur spürbar senken. Das Monitoring übernimmt ein innerhalb der Verwaltung eingerichtetes Hitze-Team, das die Effizienz der Grünmaßnahmen kontinuierlich bewertet.

„Hitzeaktionsplanung ist keine Pflichtaufgabe. Heißt: Die Kommunen machen das freiwillig, sie verpflichten sich selbst dazu und deswegen gibt es auch kein Budget dafür vom Bund oder von den Ländern.“
(Theresa Kaiser, Zentrum für KlimaAnpassung)

Historisches Stadtbild trifft Klimaanpassung in Weimar

Auch die Kulturstadt Weimar richtet ihre Stadtentwicklung konsequent an den Erfordernissen von Umwelt , Natur und Klimaschutz sowie der Klimaanpassung aus. Mit der Erarbeitung eines umfassenden Klimaanpassungskonzepts lässt die Stadt den natürlichen Klimaschutz als übergreifende Querschnittsaufgabe verankern. Das Hauptaugenmerk liegt auf der ökologischen Sanierung dicht bebauter Viertel – etwa der Nördlichen Innenstadt –, in denen Innenhöfe nachträglich begrünt und Entsiegelungsmaßnahmen gefördert werden. Weimar verbindet damit den Erhalt des historischen Stadtbildes mit modernen Standards für ökologische Vielfalt und Mikroklima.

Radverkehr neu gedacht

Eine fahrradfreundliche Verkehrsplanung gehört zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung. / Foto: jannoon028 auf magnific.com

Auch eine fahrradfreundliche Verkehrsplanung gehört zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung. In Jena wird der Radverkehr beispielsweise an mehreren Dauerzählstellen systematisch erfasst; die Daten fließen unter anderem in den Radverkehrsplan Jena 2035+ ein. Weimar setzt ebenfalls auf konkrete Verbesserungen: Dort wurden im Zuge des Radverkehrskonzepts bereits zahlreiche Einbahnstraßen für den Radverkehr geöffnet, während zugleich Projekte wie zusätzliche Fahrradabstellmöglichkeiten am Bahnhof und eine bessere Anbindung des Weimarer Nordens verfolgt werden.

Radverkehrsplan Jena 2035+

  • 2024: Beschluss des Radverkehrsplans durch den Stadtrat
  • 2026: Die Fahrradstraße in der Jahnstraße und Talstraße wird als erster Abschnitt der Radverkehrsroute S307 umgesetzt
  • Bis 2035+: Schrittweise Umsetzung weiterer Maßnahmen im Radwegenetz

Der Plan legt fest, wie das Radwegenetz in Jena in den kommenden Jahren ausgebaut und sicherer gestaltet werden soll. Dazu gehören unter anderem neue Verbindungen, die Beseitigung von Gefahrenstellen und bessere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder.

Zugleich gewinnen E-Bikes für die Alltagsmobilität in Thüringen an Bedeutung. Laut einer 2025 veröffentlichten Umfrage besitzt inzwischen rund ein Viertel der Thüringer Bevölkerung ein Fahrrad mit Elektroantrieb; seit 2020 hat sich der Anteil damit mehr als verdoppelt. Gerade für längere Strecken oder hügelige Wege erweitern E-Bikes den Aktionsradius des Radverkehrs und erhöhen damit auch die Anforderungen an sichere Radwege und geeignete Abstellmöglichkeiten.

Gemeinsam für klimaresiliente Städte in Thüringen

Der Erfolg städtischer Umweltpolitik hängt maßgeblich vom Wissenstransfer zwischen den Kommunen ab. Thüringens Städte beweisen, dass nachhaltige Infrastruktur weit über rein dekoratives Stadtgrün hinausgeht. Durch die Kombination aus intelligenter Wasserwirtschaft, hitzeresistenten Baumpflanzungen und ressourcenschonendem Mobiliar entsteht ein funktionierendes Gesamtsystem.

  • Weiterer Ausbau des kommunalen Starkregen- und Hitzeschutzes
  • Konsequente Verwendung von wiederverwertbaren und langlebigen Werkstoffen (etwa wasserdurchlässige Beläge, Begrünung, robuste Stadtmöbel)
  • Interdisziplinäre Einbindung von Bürgerschaft und regionalen Unternehmen
  • Systematische Einbindung des Schwammstadt-Prinzips in die Bauleitplanung und schrittweise Verankerung in Bebauungsplänen

Mit diesen Schritten sichern die Thüringer Städte langfristig die Lebensqualität der Bevölkerung und positionieren sich als treibende Kraft der urbanen Transformation in Thüringen.