Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch Minderjähriger im Bistum Erfurt geht derzeit von weit mehr als 60 Opfern aus. Dabei würde es sich überwiegend um männliche Betroffene handeln, sagte die Vorsitzende der Kommission, Ulrike Brune. Sie rechnet jedoch mit einem Dunkelfeld: «Wir müssen leider annehmen, dass die uns vorliegenden Akten nur einen Bruchteil der tatsächlichen Vorkommnisse widerspiegeln.»
Dem Gremium liegen laut Brune Hauptakten zu 50 namentlich benannten Beschuldigten vor – 20 davon seien Kleriker, von denen dem Bistum zufolge noch sieben Priester leben. Als Konsequenz daraus sei ein Priester suspendiert worden, ein anderer dürfe nur unter strengen Auflagen arbeiten, sagte Bischof Ulrich Neymeyr.
Bei den Taten, die den Beschuldigten vorgeworfen werden, gehe es um die ganze Palette sexualisierter Gewalt, sagte Brune. Diese reichten von Grenzverletzungen zum Beispiel durch bedrängende Fragen oder Berührungen bis hin zur sexuellen Belästigung und schwersten Sexualstraftaten. Derzeit werde von 25 sexuellen Übergriffen sowie in sieben Fällen von Vergewaltigungen ausgegangen. Staatsanwaltliche Ermittlungen seien meist wegen Verjährung eingestellt worden.