Kinderschützer und Wissenschaftler haben einen anderen politischen Umgang mit armen Menschen – insbesondere mit Kindern und Jugendlichen in Deutschland gefordert. «Man darf Armutsbetroffene nicht verächtlich machen, muss ihre täglichen Leistungen sichtbar machen», sagte der Soziologe André Knabe auf einer Fachtagung in Erfurt.
In der Öffentlichkeit würde nicht zuletzt durch politische Debatten über Bürgergeld-Empfänger allzu oft ein falsches Bild gezeichnet. «Es ist auf keinen Fall eine komfortable Situation in Armut zu sein», sagte Knabe, der am Rostocker Institut für Sozialforschung und gesellschaftliche Praxis arbeitet. Einer seiner Forschungsschwerpunkte ist soziale Ungleichheit.
Knabe sagte, er habe im Laufe seiner Forschungen mit etwa 100 Empfängern von Bürgergeld-Leistungen biografische Interviews geführt. «Mir ist der faule Arbeitslose bislang noch nicht begegnet.» Die Tagung, die sich insbesondere mit Kinderarmut beschäftigt, war unter anderem vom Thüringer Kinderschutzbund, der Fachhochschule Erfurt und der Landeszentrale für politische Bildung organisiert worden.