loading

Nachrichten werden geladen...

Veröffentlicht mit CMS publizer®

Turnierneuling Kap Verde hält Favorit Spanien zum WM-Auftakt 0:0

Pico Lopes (M) im Kopfballduell. / Foto: Colin Hubbard/FR172196 AP/AP/dpa
Pico Lopes (M) im Kopfballduell. / Foto: Colin Hubbard/FR172196 AP/AP/dpa

Kap Verde überraschte Favorit Spanien mit einem 0:0 zum WM-Auftakt. Spieler mit ungewöhnlichen Karrieren prägten das Remis.

Eine Ansammlung von Fußball-Nobodys hat den großen Favoriten Spanien zum WM-Auftakt blamiert. Das 0:0 wurde von den Spielern von Turnierneuling Kap Verde gefeiert wie ein Sieg. Die Mannschaft hat zweifelsohne Geschichte geschrieben - und besteht dabei selbst aus Spielern mit eher ungewöhnlichen Karrieren.

LinkedIn-Profi Lopes

Roberto Lopes dachte zunächst an eine Spam-Nachricht. Als der in Dublin geborene Verteidiger vor rund acht Jahren eine Nachricht auf Portugiesisch in dem Karriere-Netzwerk LinkedIn erhielt, ignorierte er diese. Als er neun Monate später eine Nachricht von derselben Person auf Englisch mit der Frage erhielt, ob er über den Vorschlag nachgedacht habe, wurde Lopes stutzig.

Er kopierte die erste Nachricht in einen Übersetzer und traute seinen Augen kaum. Es war ein Angebot, für die Nationalmannschaft von Kap Verde zu spielen. «Der Weg über LinkedIn war etwas ungewöhnlich, aber der Verband sagte mir, sie hätten Probleme gehabt, meinen Club zu kontaktieren», erklärte Lopes. Der 33-Jährige, den alle nur Pico nennen, sagte sofort zu.

Die Einladung verdankt er seinem Vater. Der kommt aus dem Inselstaat und arbeitete auf einem Kreuzfahrtschiff. Das legte vor ein paar Jahrzehnten im Hafen von Dublin an und er verliebte sich in eine Einheimische, das Paar bekam drei Kinder. Lopes hat sein ganzes Leben in Irland verbracht, auch nur dort Fußball beim Bohemian FC und den Shamrock Rovers gespielt.

Verbindungen zur Heimat seines Vaters hat er trotzdem. Dort lebt noch sein Großvater. Der ist heute 98 Jahre alt. «Ich habe heute alle Menschen repräsentiert, die mir beigestanden haben. Das war eine unglaubliche Motivation, für sie zu spielen», sagte Lopes.

Ex-Erfurter Lopes Cabral

Vergleichweise jung ist Sidny Lopes Cabral. Doch mit seinen 23 Jahren hat auch er schon viel von der Fußball-Welt gesehen - sogar Deutschland. Von 2022 bis 2024 kickte der linke Verteidiger bei Rot-Weiß Erfurt. «Ich lebe einen Traum», sagte Lopes Cabral der dpa. «Vor vier Jahren war ich noch in der vierten Liga in Deutschland. Und nun habe ich bei der WM gegen Spanien ein Unentschieden erreicht. Ich kann das gar nicht glauben.»

Geboren und fußballerisch ausgebildet in den Niederlanden, dort ging es in der A-Jugend nicht weiter. Also zog Cabral weiter nach Schweden. Und aus der U21 von Helsingborg ging es nach Erfurt, später noch zu Viktoria Köln. «Die Jahre in Deutschland haben aus mir den Spieler gemacht, der ich heute bin», sagte Cabral.

Während seiner Zeit bei Viktoria wurden die Scouts des portugiesischen Erstligisten Estrela Amadora auf ihn aufmerksam. Er wechselte im Sommer 2025 dorthin - und es kam der endgültige Durchbruch. Nur ein halbes Jahr später verpflichtete Benfica Lissabon mit Star-Trainer José Mourinho den Verteidiger für sechs Millionen Euro. In der kommenden Saison wird er beim türkischen Pokalsieger Trabzonspor spielen, der Club soll inklusive Bonuszahlungen fast zehn Millionen Euro für Cabral bezahlt haben.

Davon profitiert auch Erfurt. Als Ausbildungsentschädigung erhielten die Thüringer bereits 50.000 Euro beim Wechsel zu Benfica. Nun könnten weitere 100.000 Euro folgen. «Wir haben den Jungen ausgebildet, hier hat er das Laufen gelernt. Jetzt hat er eine tolle Karriere und da sollten wir partizipieren», sagte RWE-Manager Franz Gerber zu «Bild».

Torwart-Oldie Vozinha

Die Tränen von Vozinha gingen unmittelbar nach dem Abpfiff gegen Spanien um die Welt. Ebenso die Geschichte dahinter, den Gedanken an die Großeltern, bei denen er aufgewachsen war und die vor einigen Jahren gestorben sind. Was der Torwart bis dahin nicht wusste: Er war plötzlich ein Social Media Star.

Der brasilianische Sender Caze TV hatte in der Halbzeit dazu aufgerufen, Vozinha auf Instagram zu folgen, damit dieser auf mehr als 100.000 Follower kommt. Vor dem Anpfiff waren es rund 20.000. Am Ende des Spiels waren es 1,5 Millionen, wenige Stunden später bereits 2,6 Millionen Follower. Zum Vergleich: Kap Verde hat rund 600.000 Einwohner.

Dabei hätte der 40-Jährige fast nicht im Tor gestanden. «Ich habe erst mit 25 Jahren angefangen, professionell Fußball zu spielen. Das ist schon recht spät», berichtete der Keeper. «Und ich hatte darüber nachgedacht, aus dem Nationalteam zurückzutreten. Doch ich bin dabei geblieben, denn ich hatte diesen Traum von der WM.»

Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten