Junge Schleiereule aus Kyffhäuserkreis in Vogelschutzwarte Seebach versorgt
Ruhig und gelassen wirkt die junge Schleiereule in der Hand von Juliane Balmer. Der flaumige Vogel wurde vor einigen Wochen am Straßenrand im Kyffhäuserkreis ohne erkennbaren Nistplatz in der Nähe entdeckt und in die Auffang- und Pflegestation der Staatlichen Vogelschutzwarte Seebach bei Mühlhausen gebracht. Dort werden verletzte Wildtiere, vor allem Vögel, aber auch Igel, wieder aufgepäppelt. «Wir vermuten, dass ein Marder die junge Schleiereule aus dem Nest geklaut, dann aber verloren hat», erklärt Balmer, während sie den Flaumknäuel sicher in der Hand hält und Besuchern zeigt. Sie hofft, den Vogel so fit zu bekommen, dass er ausgewildert werden kann. Balmer ist schon deutlich länger als die Schleiereule in der Vogelschutzwarte, nämlich seit 2015. Die studierte Biologin leitet die Auffangstation, koordiniert Freiwillige, Auswilderungen und vieles mehr. Wer bei der Vogelschutzwarte wegen eines gefundenen Vogels anruft, oder etwa Beratung zu Nistkästen braucht, hat oft genug die 48-Jährige am Telefon. Studiert hat die aus Sachsen-Anhalt stammende Vogelfachfrau in Jena. «Meine Karriere habe ich im Nationalpark Hainich begonnen, dann war die Stelle in der Vogelschutzwarte ausgeschrieben, ich habe mich beworben und es hat geklappt.» Die Freude über diese Entscheidung ist ihr auch noch nach Jahren deutlich anzuhören und hat nicht nur mit dem idyllisch gelegenen Arbeitsort in einer ehemaligen Wasserburg zu tun. Vielfältig sei die Arbeit in der Vogelschutzwarte, schwärmt Balmer. Und bewegend. «Dieses Jahr gab es schon ein besonderes Erlebnis», erzählt sie und holt etwas aus: Seit Jahren kommen Störche in die Vogelschutzwarte, die Haushalts-Gummibänder im Magen haben. Die Tiere verwechseln die schmalen Bänder mit Würmern, fressen sie selbst, oder verfüttern sie sogar an den Nachwuchs. «Ein echtes Problem», sagt Balmer. Dieses Jahr sei es gelungen, einem jungen Storch mittels Operation Bänder aus dem Magen zu entfernen. «Das war ein großer Erfolg, dass das geglückt ist; im vorigen Jahr hatten wir das auch schon versucht, der Jungstorch hatte aber leider nicht überlebt.» Es sei «total schön, dass wir die finanziellen Mittel haben, um auch mal gebrochene Flügel operieren zu lassen, oder eben für solche Operationen». Vor zwei Wochen konnte der genesene OP-Patient ausgewildert werden. «Das war toll», erinnert sich Balmer. Überhaupt, die Auswilderungen: Diese seien auch bei jungen Igeln besondere Erfahrungen. «Wenn man die niedlichen kleinen Igel so groß bekommt, dass sie danach für Auswildern gewappnet sind, ist das großartig.» Balmer betont, nicht die einzige zu sein, die mit Leidenschaft in der Vogelschutzwarte wirkt: «Manche Tierpfleger nehmen die jungen Vögel mit nach Hause, weil diese ja rund um die Uhr betreut werden müssen.» Mehr Verständnis aus der Bevölkerung wünscht sie sich dafür, dass die Vogelschutzwarte nur begrenzte Aufnahmekapazitäten hat. Besser sei es, sich vorher per Telefon zu erkundigen, ob ein hilflos wirkendes Tier tatsächlich gerettet werden muss, oder ob nicht doch noch die Eltern etwa wieder zu den Jungtieren zurückkehren. «Und mehr Sensibilität für Insekten und Vögel in heimischen Gärten würde ich mir wünschen: Ein Rasenmähroboter muss nicht in jedem Eck unterwegs sein – man darf auch gerne Rückzugsgebiete für die Tiere schaffen», so Balmers Appell. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenOperation rettet Jungstorch das Leben
Mehr Sensibilität bei Bevölkerung