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Achtung Wildwechsel! Warum die Unfallgefahr aktuell groß ist

Achtung Wildwechsel! Warum die Unfallgefahr aktuell groß ist
Vor allem im Herbst heißt es: Vorsicht vor Wildwechsel auf den Straßen. (Symbolbild) / Foto: Patrick Pleul/dpa
Wildunfälle können für Tiere tödlich sein - und auch Menschen können zu Schaden kommen. Warum derzeit vermehrt wilde Tiere an Thüringens Straßen anzutreffen sind und worauf Autofahrer achten sollten.

Wenn Rehe, Wildschweine oder andere Wildtiere auf die Straßen in Thüringen laufen, kann es für Autofahrer gefährlich werden. Gerade in der dunklen Jahreszeit steigt die Unfallgefahr angesichts dieser Begegnungen. 

Wie viele solcher Unfälle ereignen sich in Thüringen?

Im vergangenen Jahr gab es nach Angaben des Landesamts für Statistik im Freistaat fast 9.000 Verkehrsunfälle mit Wildtieren. Dabei wurde bei etwa jedem zehnten Unfall ein Mensch verletzt, jedoch meist nur leicht und nie tödlich. 2024 zuvor waren es 175 Unfälle weniger. In diesem Jahr ereigneten sich von Januar bis August bisher um die 6.400 Unfälle. 

Warum ist es derzeit besonders gefährlich? 

Generell sind Wildunfälle kein Herbstphänomen. Jedoch verändert sich das Risiko im Verlauf des Jahres etwa mit Blick auf die Aktivität der Wildtiere, den Fortpflanzungszeiten sowie den Lichtverhältnissen und dem Verkehr, heißt es vom Landesjagdverband Thüringen.

Jetzt im Herbst gibt es jedoch besondere Gefahren. Durch die Umstellung auf die Winterzeit fällt der Berufsverkehr stärker in die Dämmerung - eine Zeit, in der viele Wildtiere besonders aktiv sind. Hinzu kommen demnach generell kürzer werdende Tage sowie die sogenannte Brunft, also die Paarungszeit, von Rot- und Damwild. 

Deswegen müssten Menschen ihr Fahrverhalten darauf einstellen, betonte der Präsident des Landejagdverbandes, Ludwig Gunstheimer. «Besonders im Herbst können wenige Sekunden Unaufmerksamkeit schwerwiegende Folgen für Mensch und Tier haben.»

Gibt es regionale Schwerpunkte?

Grundsätzlich gibt es in ganz Thüringen Unfälle mit wilden Tieren, wie es vom thüringischen Landesjagdverband heißt. Besonders auf Straßen, die durch Wälder, entlang von Waldrändern oder Felder führen, bestehe die Gefahr eines Zusammenstoßes. Das gilt demnach nicht nur für stark befahrene Bundes- und Landesstraßen, sondern auch in Kreis- und Gemeindestraßen gibt es erhebliche Unfallrisiken.

Aus den Zahlen des Statistikamts zeigen sich regionale Schwerpunkte. Mit 746 gab es im vergangenen Jahr mit Abstand die meisten Wildunfälle im Wartburgkreis. Dahinter folgen der Saale-Holzland-Kreis (632) sowie der Landkreis Eichsfeld (621). Auch 2024 kam es im Wartburgkreis mit insgesamt 802 zu den meisten Zusammenstößen.

Am seltensten ereigneten sich erwartungsgemäß Unfälle in den kreisfreien Städten. Doch auch hier gibt es deutliche Unterschiede: Während es im vergangenen Jahr in Erfurt zu 282 Zusammenstößen kam, gab es mit 48 die geringsten in Suhl. 

Welche Vorkehrungen gibt es?

Es gibt eine Reihe von Maßnahmen, um Wildunfälle zu verhindern. Vorkehrungen sind etwa Wildwarnschilder, Geschwindigkeitsbegrenzungen an bekannten Stellen, Wildschutzzäune sowie Querungshilfen. 

Um besser Gefahrenstellen zu erkennen, bietet laut Jagdverband auch das bundesweite Tierfund-Kataster eine wichtige Grundlage, um systematisch Zusammenstöße von Fahrzeug und Tier zu erfassen und auszuwerten. Mit dem Kataster können Bürgerinnen und Bürger Wildunfälle und Funde von toten Tieren melden. «Die gesammelten Informationen helfen dabei, räumliche Schwerpunkte zu identifizieren und geeignete Präventionsmaßnahmen abzuleiten», hieß es vom Verband.

Welche Tiere sind in Thüringen am meisten betroffen?

Nach Angaben der Statistiker gab es 2025 mit einer Zahl von 6.481 mit Abstand die meisten Unfälle mit Reh-, Rot- und Damwild. Das entsprach knapp drei Viertel aller Zusammenstöße. Doch in der Statistik waren auch anderen Tiere wie Füchse, Dachse, Hasen oder Kaninchen sowie Vögel gelistet.

Ob ein Tier einen Zusammenstoß überlebt oder nicht, hängt laut Jagdverband von verschiedenen Faktoren ab - etwa von der Geschwindigkeit des Fahrzeugs, der Größe des Tieres und der Art der Verletzungen. «Viele Tiere verenden unmittelbar am Unfallort. Andere können zunächst noch flüchten, obwohl sie schwere innere Verletzungen oder Knochenbrüche erlitten haben», hieß es. Eine Statistik, wie viele der Lebewesen überleben und später gerettet werden können, liege nicht vor.

Was sollten Autofahrer beachten?

Da viele Wildtiere nacht- oder dämmerungsaktiv sind, ist vor allem in den Morgen- sowie Abendstunden besondere Vorsicht geboten. «Fahren Sie besonders in der Dämmerung aufmerksam, reduzieren Sie Ihre Geschwindigkeit und rechnen Sie jederzeit mit plötzlich wechselndem Wild», sagte Gunstheimer. «Ein paar Sekunden mehr Fahrzeit können am Ende entscheidend sein.»

Wenn ein wildes Tier am Straßenrand auftaucht, sollte das Fernlicht ausgemacht und kontrolliert gebremst werden, rät der Verband. Grelles Scheinwerferlicht könne die Tiere blenden und dazu führen, dass sie regungslos verharren. Wenn ein Zusammenstoß droht, sollten zudem keine riskanten Ausweichmanöver gemacht werden. Diese könnten zu schweren Kollisionen mit dem Gegenverkehr oder Bäumen führen.

Wenn es zu einem Zusammenprall kommt, sollte die Unfallstelle gesichert und immer die Polizei informiert werden. Die Tiere sollten zudem nicht angefasst oder verfolgt werden, hieß es. Wenn sie flüchten, suchten sogenannte Jagdausübungsberechtigte die möglicherweise verletzten Wildtiere und erlösten sie gegebenenfalls von ihrem Leiden.

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