Aus für Bonus – wie geht es weiter mit dem Reparieren?
Es gibt «Reparatur-Opis» in Jena, Repair-Cafés in Meiningen, Weimar, Gotha oder Gera: Reparieren statt Wegwerfen liegt bei vielen Menschen in Thüringen im Trend. «Die Einstellungen haben sich verändert. Immer mehr Leute kommen, um elektrische Geräte oder auch Textilien weiter nutzen zu können», sagte Felix Brade von der Verbraucherzentrale Thüringen. Die Verbraucherschützer haben jetzt ein neues Projekt «Thüringen repariert» gestartet – es soll das Thema «Weiternutzen, statt noch mehr Müll zu produzieren» in der Öffentlichkeit halten. Es sei nicht als Ersatz für den staatlichen Thüringer Reparaturzuschuss gedacht, der wegen der angespannten finanziellen Situation des Landes nach fünf Jahren Ende 2025 eingestellt wurde, heißt es. Das Projekt soll Menschen helfen, wenn der Rucksack einen Riss hat, die Nähmaschine nicht mehr steppt, eine Lampe flackert oder das Smartphone-Display einen Sprung hat. «Wir wollen die Verbraucher informieren über das neue Recht auf Reparatur, über Reparaturmöglichkeiten und Angebote in Thüringen», sagte Brade, der das Projekt leitet. Es gebe viele professionelle Dienstleister. Bei dem Projekt sollen jedoch die vielen ehrenamtlichen Initiativen unter dem Motto «Reparieren in der Nachbarschaft» in den Mittelpunkt gerückt werden. Nach seinen Angaben gibt es bereits etwa 15 Repair-Cafés im Freistaat – von Meiningen, Eisenach, Gotha über Erfurt, Weimar, Jena bis Gera. Er hoffe, es kämen weitere hinzu. «Wir wollen Orte zum Ausprobieren, Lernen und gemeinsamen Reparieren schaffen.» Es gehe ums Schrauben, Löten, Nähen, Flicken oder Werkzeuge teilen. Gewünscht sei, dass sich regionale Initiativen stärker vernetzen. Eine Internetseite zu dem Projekt mit Verbraucherinformationen, darunter einem Praxisleitfaden zum Reparieren, Verbraucherrechten, Tipps zu Gewährleistung und Garantie sowie Informationen zu regionalen Repair-Cafés soll in nächster Zeit starten. Vom 21. bis 29. November seien erstmals Thüringer Reparaturtage geplant – auch mit Mitmach-Aktionen. 2027 soll ein «Repair Lab» für junge Leute mit Angeboten zum Ausprobieren entstehen. Geld kommt nach Angaben des Geschäftsführers der Verbraucherzentrale, Ralph Walther, vom Thüringer Umweltministerium, das in der Vergangenheit auch den Reparaturbonus finanziert hat. Thüringen war mit dem Zuschuss für Reparaturen von bis zu 100 Euro pro Thüringer und Jahr bundesweit Vorreiter mit dem Ziel, vor allem Elektroschrott zu verringern. Für das neue Projekt «Thüringen repariert» stelle das Umweltministerium 100.000 Euro zur Verfügung. Er sei froh, dass das Thema Reparatur nicht auf Null gefahren sei, sagte Walther. Bundestag und Bundesrat haben im Sommer das Recht auf Reparatur gesetzlich festgeschrieben und damit neue EU-Regeln umgesetzt. Hersteller von Produkten wie etwa Waschmaschinen, Mobiltelefone, Tablets oder E-Bikes werden damit gesetzlich verpflichtet, ihre Produkte während der üblichen Lebensdauer zu einem angemessenen Preis zu reparieren. Außerdem müssen die Geräte künftig so konstruiert sein, dass man sie reparieren kann. Die Neuregelung sieht Anreize für Verbraucher vor: Entscheiden sie sich für eine Reparatur statt für den Tausch eines defekten Geräts, verlängert sich eine laufende Gewährleistungsfrist um zwölf Monate. Das Recht, vom Hersteller eine Reparatur zu fordern, gilt bereits. Die Verpflichtung, reparierbare Geräte herzustellen und die Verlängerung der Gewährleistungsfrist gelten nur für Geräte, die ab dem 31. Juli gekauft wurden. Innerhalb von fünf Jahren waren in Thüringen viele Tausend Reparaturen von Handys, Kaffeemaschinen, Waschmaschinen, Kühlschränken oder Elektroherden unterstützt worden. Der Freistaat war 2021 Vorreiter beim Reparaturbonus. Der Fördertopf des Landes dafür war laut Umweltministerium 2025 mit insgesamt 800.000 Euro gefüllt. Bei den Verhandlungen zum Doppelhaushalt 2026/27 fiel der staatliche Zuschuss für Reparaturkosten dem Rotstift zum Opfer. Thüringen habe einen wichtigen Anschub zur Vermeidung von Elektroschrott gegeben, hatte Umweltminister Tilo Kummer danach erklärt. «Jetzt ist die Zeit gekommen, wo der Bund gefordert ist.» Doch ein Thüringer Vorstoß im Bundesrat blieb erfolglos. Erreicht werden sollte, dass es einen wirtschaftlichen Anreiz für mehr Reparaturen beispielsweise durch einen bundesweiten Reparaturbonus gibt. Auch das Anliegen, Reparaturen gegenüber Neuanschaffungen wettbewerbsfähiger zu machen - beispielsweise durch eine Senkung der Mehrwertsteuer -, fand in der Länderkammer keine Mehrheit. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenWorum geht es bei dem Projekt?
Selbst schrauben und löten: Wo kann man das?
Wie wird das Projekt finanziert?
Was besagt das Recht auf Reparatur?
Warum gibt es den Thüringer Reparaturbonus nicht mehr?