Betriebsprüfungen in Thüringen: Kleine Betriebe selten geprüft, große häufiger
Während Großunternehmen in Thüringen regelmäßig von Betriebsprüfern eines Finanzamtes durchleuchtet werden, sind Klein- und Kleinstunternehmen selten betroffen. Alle kleineren Unternehmen würden durch Betriebsprüfer nur anlassbezogen geprüft, sagte ein Sprecher des Thüringer Finanzministeriums der Deutschen Presse-Agentur. «Dabei wird nach dem Steuerausfallrisiko priorisiert.» Das bedeutet, dass Unternehmen, die aufgrund ihres angenommenen Umsatzes mutmaßlich viele Steuern zu zahlen haben, von den Finanzämtern engmaschiger kontrolliert werden als Unternehmen mit einem geringen Umsatz, die entsprechend weniger Steuern zahlen müssen. Laut den jüngsten Statistiken der Finanzverwaltung würden Kleinbetriebe in Thüringen deshalb im Durchschnitt nur alle 54 Jahre durch einen Betriebsprüfer des Finanzamtes durchleuchtet, hieß es aus dem Finanzministerium. Kleinstbetriebe würden im Durchschnitt sogar nur alle 218 Jahre eine Betriebsprüfung bekommen. Genau diese Art von Unternehmen stellt aber die übergroße Mehrzahl der Betriebe, die im Freistaat ansässig sind. Die jüngsten dazu verfügbaren Daten des Landesamtes für Statistik machen das sehr deutlich. Danach waren Ende September 2024 etwa 75.000 Unternehmen aller Art in Thüringen registriert. Davon hatten etwa 65.000 entweder gar keine oder maximal neun Beschäftigte. Nur etwa 350 Unternehmen, die damals in Thüringen angesiedelt waren, hatten mehr als 250 Beschäftigte. Der Sprecher des Finanzministeriums sagte, große Betriebe würden in Thüringen im Durchschnitt alle sieben bis acht Jahre von Betriebsprüfern untersucht, mittelgroße Betriebe alle zwölf bis 13 Jahre. Abweichungen von diesen Durchschnittswerten ergeben sich im Einzelfall vor allem dann, wenn die Finanzämter Zweifel daran haben, dass die Buchführung in den Unternehmen ordnungsgemäß erfolgt oder der Verdacht besteht, durch fehlerhafte Angaben gegenüber dem Finanzamt könnten dem Staat Steuereinnahmen vorenthalten werden. Die Betriebsprüfer der Finanzverwaltung finden bei ihren Prüfungen regelmäßig unrichtige oder unvollständige Angaben in der Buchhaltung der Unternehmen, was immer wieder zu Steuernachforderungen führt. Nach Angaben des Finanzministeriums führten die Betriebsprüfungen im vergangenen Jahr zu zusätzlichen Steuereinnahmen in Höhe von etwa 96 Millionen Euro. Jeder Betriebsprüfer habe im Durchschnitt fast 450.000 Euro zusätzliche Einnahmen für das Land erzielt. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenKleine Betriebe sind seltener an der Reihe
Mehreinnahmen in Millionenhöhe