Kaßberg-Gefängnis: Ausstellung beleuchtet geschlossene Venerologische Stationen der DDR
Ein wenig bekanntes Kapital staatlicher Willkür in der DDR wird in der Chemnitzer Gedenkstätte Kaßberg-Gefängnis beleuchtet. Eine Ausstellung wirft einen Blick auf die Geschlossenen Venerologischen Stationen. Dort seien Mädchen und Frauen häufig unter dem Vorwand einer Geschlechtskrankheit festgehalten worden, obwohl viele von ihnen nicht erkrankt gewesen seien, teilte die Gedenkstätte mit. Betroffen waren demnach vor allem Mädchen und Frauen, deren Verhalten von den sozialistischen Idealen der Arbeitsdisziplin, des partnerschaftlichen Zusammenlebens oder der Staatstreue abwich. Sie seien in den Geschlossenen Stationen Zwang, Entwürdigung und sexualisierter Gewalt ausgesetzt gewesen. Die Wanderausstellung «Einweisungsgrund: Herumtreiberei» ist vom Verein Riebeckstraße 63 e. V. und der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau erstellt worden. Sie wurde mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert. Die Geschichte der Geschlossenen Venerologischen Stationen sei bislang für Halle und Leipzig recht gut erforscht, teilte die Gedenkstätte Kaßberg-Gefängnis mit. Für die übrigen DDR-Bezirke existierten dagegen nur spärliche Hinweise. In Chemnitz werde die Ausstellung daher ergänzt durch regionale Forschungen. Demnach gab es im ehemaligen Bezirk Karl-Marx-Stadt drei Geschlossene Venerologische Stationen: in Karl-Marx-Stadt, Zwickau und Aue. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten