Der Löwe ist schon weg. In der Werkstatt von Peter Mildner im Gothaer Perthesforum erinnert nur noch ein Schädelmodell aus Hartschaum, woran der zoologische Präparator der Friedenstein Stiftung zuletzt gearbeitet hat: Bono, ein Angola-Löwe aus dem Zoo in Halle, der mit bernsteinfarbenen Augen und geneigtem Kopf würdevoll und mit ruhigem Ausdruck seinem Betrachter entgegenblickt.
«Wenn die Augen nicht stimmen, kann der Körper noch so perfekt sein, aber das Tier wirkt nicht lebendig», sagt Mildner, dessen Anspruch bei der Arbeit es immer war, das Charakteristische aus dem Dargestellten herauszuarbeiten.
Nach Jahrzehnten als zoologischer Präparator in Gotha legt der umtriebige 64-Jährige nun Pinzette, Skalpell und Spatel aus den Händen. An diesem Sonntag wird er mit einer Prozession und der Präsentation von Bono im Festsaal von Schloss Friedenstein nach fast 48 Dienstjahren in den Ruhestand verabschiedet, bevor das präparierte Tier dauerhaft in der Ausstellung im Westturm seinen Platz einnimmt. Damit schließt sich in gewisser Weise der Kreis von Mildners beruflicher Laufbahn, die nicht nur mit einem Löwen endet, sondern auch mit einer Löwin begann.