Pogromnacht: Gemeinden planen Gedenken an Opfer
Mit einer Filmpremiere, Friedensgebeten und anderen Formaten erinnern evangelische Gemeinden in Mitteldeutschland an die Opfer der Pogromnacht der Nationalsozialisten am 9. November 1938. Was die Gemeinden in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen unter anderem planen. Bei einer Gedenkveranstaltung der Stadt, des Kirchenkreis Magdeburg und der jüdischen Gemeinden am 9. November, soll eine Menora als Zeichen des Gedenkens und der Verbundenheit entzündet werden. Nach einem gemeinsamen Gedenkweg können Kränze, Blumen und Lichter am Synagogendenkmal niedergelegt werden. Andachten, Besuche an Stolpersteinen und andere Formen des Erinnerns sind am 9. November in Halle, Quedlinburg, Gardelegen, Delitzsch, Lutherstadt Eisleben, Salzwedel und Naumburg geplant. Am 10. November soll zudem in der Stadtkirche Wittenberg die neue Dauerausstellung «Riss in Stein. Das Wittenberger Relief und die christliche Judenfeindschaft» eröffnet werden. Die Ausstellung blickt auf die Geschichte des mittelalterlichen judenfeindlichen Reliefs an der Fassade der Kirche und wie sich bis heute damit auseinandergesetzt wird. Schon am 6. November geht es in Oberzella bei Vacha in einem Vortrag von Erika Rosenberg-Band, einer Vertrauten der Familie von Emilie und Oskar Schindler, um Zivilcourage in schwierigen Zeiten. Die Schindlers retteten rund 1.200 Jüdinnen und Juden im Zweiten Weltkrieg das Leben. Am 9. November ist in Bad Langensalza unter anderem die Premiere einer Film-Dokumentation über die 1937 geborene Ulla Fischer geplant, bei der die Weimarer Zeitzeugin und der Filmemacher auch anwesend sein sollen. In Gera soll es bei Kurzkonzerten an Stolpersteinen Musik geben, auch das Lied «Dos Kelbl» soll gespielt werden. Das wohl 1940 entstandene Lied in jiddischer Sprache wird oft als Beschreibung der Lage der Juden in der NS-Zeit interpretiert. Auch in Weimar wird mit musikalischer Unterstützung entlang von Stolpersteinen an die Ermordeten gedacht. Musik ist auch Teil des Gedenkens in Jena entlang der dortigen Stolpersteine, auch dort soll «Dos Kelbl» gesungen werden. An der Gedenkstätte für die 1938 in der Pogromnacht zerstörte Synagoge beginnt die Veranstaltung in Eisenach, am Bahnhof unter der Gedenktafel können zum Abschluss Blumen niedergelegt werden. Neue Stolpersteine, die an Sara Rosenblüth und ihre drei Töchter Ruth, Edith und Naemi erinnern, sollen am 9. November Erfurt verlegt werden. Gedenkaktionen sind außerdem am 9. November unter anderem in Meiningen, Apolda und Schleusingen geplant. In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 brannten die Nazis deutschlandweit Synagogen nieder, misshandelten Jüdinnen und Juden, verwüsteten ihre Wohnungen und Geschäfte. An der Gewaltwelle beteiligten sich nicht nur organisierte Nazi-Trupps, sondern auch viele sogenannte normale Bürger. Mehr als 1.300 Menschen verloren ihr Leben, 30.000 Menschen wurden in Konzentrationslager verschleppt. Die Pogromnacht war der Auftakt für die systematische Vernichtung der jüdischen Bevölkerung im Nationalsozialismus. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenVeranstaltungen in Sachsen-Anhalt und Sachsen
Diese Termine sind in Thüringen geplant
Warum überhaupt die Veranstaltungen?