Weimar: Geschichtsfestival widmet erstmals ganzen Tag den History Games
Im Videospiel Terroristen in den 70er Jahren aufspüren, in der Rolle der Staatsanwaltschaft Verbrechen der NS-Zeit aufklären oder ein von einem Oppositionellen in der DDR entwickeltes Brettspiel testen: Beim «Weimarer Rendezvous mit der Geschichte» geht es dieses Jahr um eine besondere Form der Historienvermittlung. Erstmals räumt das internationale Geschichtsfestival einen ganzen Tag für analoge und digitale Spiele ein, bei denen die Vergangenheit eine zentrale Rolle spielt. Längst würden nicht mehr nur Bücher, das Fernsehen oder die Schule, sondern eben auch Spiele mitentscheiden, welches Wissen über die Geschichte vermittelt werde, so die Begründung der Veranstalter. Neben teils weltweit bekannten Spieltiteln, bei denen die Historie als Kulisse dient, wachse inzwischen auch die Zahl der Geschichtsspiele, die bewusst didaktisch angelegt seien. Am 31. Oktober können Interessierte beim ersten «History Games Lab» in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung im Kulturzentrum Mon Ami acht Spiele ausprobieren. Noch vor der geplanten Veröffentlichung kann etwa das im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung entwickelte «SOKO 1977» gespielt werden: Spieler schlüpfen in dem Videospiel in die Rolle der Leitung einer Polizei-Sonderkommission im Deutschland der 1970er Jahre und müssen Terroristen enttarnen. Getestet werden kann auch das neu mit Begleitmaterial aufbereitete «Bürokratopoly». Der sächsische Physiker und Bürgerrechtler Martin Böttger entwickelte das Brettspiel 1983, um «den gesamten bürokratischen Apparat der DDR aufs Korn zu nehmen», so die Veranstalter. Bei der 18. Auflage des internationalen Festivals geht es dieses Mal thematisch etwa um Künstliche Intelligenz in Forschung und Holocaust-Erinnerung, um die NS-Vergangenheit in der eigenen Familie. Bis zum 1. November sind mehr als 40 Veranstaltungen geplant. Zu den Gästen gehören etwa der frühere Ministerpräsident Baden-Württembergs Winfried Kretschmann (Grüne), der Bundestagsvizepräsident und Thüringens Ex-Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und die Autorin Rebekka Endler («Witches, Bitches, IT-Girls»). Bei der feierlichen Eröffnung am 30. Oktober hält der ehemalige ZDF-Fernsehjournalist Theo Koll einen Vortrag. Bereits in den Tagen vorher sind Podien, Zeitzeugengespräche und mehr geplant. Die meisten Veranstaltungen sind kostenlos. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenBeispiele: Terroristenjagd und «Bürokratopoly»
Kretschmann und Ramelow zu Gast