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Thüringen: Nettoarbeitskosten im produzierenden Gewerbe deutlich unter dem Bundesdurchschnitt

Thüringen: Nettoarbeitskosten im produzierenden Gewerbe deutlich unter dem Bundesdurchschnitt
Thüringen mit vergleichsweise geringen Arbeitskosten (Illustration). / Foto: Martin Schutt/dpa
Was kostet eine Stunde Arbeit im Schnitt? Statistiker haben das ausgerechnet. Thüringen habe dabei einen Standortvorteil, findet der Verband der Wirtschaft.

Thüringen liegt bei den Arbeitskosten noch immer deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Die Arbeitsstunde im produzierenden Gewerbe, zu dem unter anderem Industrie, Bauwirtschaft oder Handwerk gehören, betrug bei der letzten Erhebung 2024 im Schnitt 37,46 Euro netto pro Stunde. Das waren rund acht Euro mehr als vier Jahre zuvor. Im Länderranking wies Thüringen damit nach Mecklenburg-Vorpommern (36,40 Euro) und Sachsen-Anhalt (36,53 Euro) die drittniedrigsten Nettoarbeitskosten auf, geht aus Zahlen des Statistischen Landesamtes hervor. 

Bundesweit lagen die Kosten danach bei 44,32 Euro netto pro Stunde, im Schnitt der ostdeutschen Bundesländer bei 37,62 Euro.

Arbeitgeber sehen in den niedrigen Arbeitskosten einen Thüringer Standortvorteil, Gewerkschaften kritisieren die nach wie vor geringen Löhne und Gehälter der Arbeitnehmer und eine relativ geringe Tarifbindung im Freistaat. «Unsere Kostenstruktur ist wettbewerbsfähiger als die im Westen», hatte der Geschäftsführer des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie, Matthias Kreft, erklärt. Er bezog sich dabei auch auf die Arbeitszeiten, die in der Ost-Metallindustrie in der Regel 38 Stunden betragen, in Westdeutschland 35 Stunden. 

Großes Gefälle zwischen den Wirtschaftsbereichen 

Die Kosten für eine Arbeitsstunde schwankten allerdings stark - je nach Branche. In der Thüringer Energieversorgung lagen die Arbeitskosten nach Angaben des Landesamtes im Schnitt bei 50,91 Euro. Höher waren sie nur bei Banken und Versicherungen mit 51,11 Euro. Am wenigsten kostete eine geleistete Arbeitsstunde trotz eines Anstiegs von 35 Prozent seit 2020 im Gastgewerbe mit 24,28 Euro. Das Landesamt begründete den hohen Anstieg im Gastgewerbe vor allem mit einem höheren Mindestlohn. 

Berücksichtigt sind bei den Nettoarbeitskosten sämtliche Kosten, die Arbeitgeber zahlen müsse - von Bruttolohn, Sozialbeiträgen bis zur Aus- und Weiterbildung der Arbeitnehmer. 

Relativ niedrige Nettoarbeitskosten pro Stunde ermittelte das Landesamt auch bei wirtschaftsnahen Dienstleistungen mit 28,24 Euro und bei Kfz-Händlern und -Werkstätten mit 28,53 Euro. Nach den Daten steigen die Arbeitskosten je Stunde auch mit der Betriebsgröße. Während sich die Kosten in kleinen Betrieben mit 10 bis 49 Beschäftigten auf durchschnittlich 31,92 Euro beliefen, betrugen sie in großen Betrieben mit 1.000 und mehr Beschäftigten 44,47 Euro.

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