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Politologin: Politik soll junge Generation ernst nehmen

Politologin: Politik soll junge Generation ernst nehmen
Die Politikwissenschaftlerin Anna Holzscheiter sieht die Politik in der Verantwortung. / Foto: --/Fotostudio Kreuzberg/Anna Holzscheiter/dpa
Am 20. November wollen junge Menschen wieder unter dem Motto «Gen Z regelt» auf die Straßen gehen. Eine Politikwissenschaftlerin der TU Dresden sieht die Politik in der Pflicht – was muss sich ändern?

Wenige Wochen vor den nächsten geplanten Protesten der Initiative «Gen Z regelt» sieht die Politikwissenschaftlerin Anna Holzscheiter die Politik in der Verantwortung. Viele junge Menschen seien frustriert darüber, dass Entscheidungen über ihre Köpfe hinweg getroffen würden. Es gehe um das Bedürfnis, «wenigstens mal mit einbezogen zu werden – darüber reden zu dürfen», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Die aktuellen Proteste böten ihnen eine Gelegenheit, diesen Unmut öffentlich zu machen.

«Da ist jetzt ein Fenster aufgegangen. Und dieses Fenster, da ergreifen sehr viele die Gelegenheit, sich Gehör zu verschaffen», sagte die Wissenschaftlerin von der Technischen Universität Dresden. Inhaltlich geht es der Initiative «Gen Z regelt» unter anderem um mehr Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie, Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten, soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz. Eine Wehrpflicht lehnt sie ebenso ab wie einen Ausbau staatlicher Überwachung.

Weitere Demonstrationen angekündigt

Bereits am 31. Oktober waren junge Menschen in zahlreichen deutschen Städten auf die Straße gegangen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Die Proteste verliefen nicht überall friedlich, teilweise kam es zu Ausschreitungen.

«Eine Demo allein verändert noch nichts», schrieb der Dresdner Ableger der Initiative «Gen Z regelt» nach dem Protest am 31. Oktober auf Instagram. Deshalb wollen junge Menschen erneut auf die Straße gehen: Für den 20. November sind in mehr als 30 deutschen Städten Demonstrationen geplant. Der Termin fällt zugleich mit einem europaweiten Jugendstreiktag zusammen. Auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind Proteste geplant, unter anderem in Dresden, Leipzig, Erfurt und Magdeburg.

Beteiligungsangebote mit wenig Einfluss

Zwar seien in den vergangenen zwei Jahrzehnten zahlreiche Jugendparlamente und andere Beteiligungsformate entstanden, sagte Holzscheiter. Auf tatsächliche politische Entscheidungen hätten diese jedoch häufig nur wenig Einfluss.

Junge Menschen dürften vielerorts zwar ihre Meinung äußern, das hätte aber nicht zwangsläufig Konsequenzen. Die aktuellen Proteste könnten dazu beitragen, dass politische Entscheidungsträger ihre bisherigen Beteiligungsangebote kritisch hinterfragten, sagte die Wissenschaftlerin.

Auch die Medien sollten jungen Menschen nach Einschätzung Holzscheiters mehr Raum geben, ihre Perspektiven selbst zu schildern. Häufig werde über die junge Generation gesprochen, statt sie selbst zu Wort kommen zu lassen.

Unterschiede zwischen Ost und West

Mit Blick auf Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen beobachtet Holzscheiter bei den aktuellen Protesten eine eher verhaltene Beteiligung im Vergleich zu vielen westdeutschen Städten. Allerdings lasse sich aus der Beteiligung an einzelnen Protesten nicht auf das politische Engagement junger Menschen insgesamt schließen. Gerade in Dresden seien Schüler und Studierende bei Demonstrationen und anderen politischen Veranstaltungen durchaus aktiv.

Zudem sei die Enttäuschung über politische Entscheidungen unter jungen Menschen in Ostdeutschland laut Studien sogar stärker ausgeprägt als im Westen. Eine geringere Beteiligung an den aktuellen Protesten bedeute daher nicht zwangsläufig, dass junge Menschen im Osten weniger unzufrieden oder politisch weniger engagiert seien, sagte Holzscheiter.

Anhaltende Wut unter jungen Menschen

Wie groß die Demonstrationen am 20. November werden und ob sich daraus eine dauerhafte Bewegung entwickelt, lasse sich schwer vorhersagen. Holzscheiter beobachtet jedoch eine anhaltende Wut unter jungen Menschen.

Zugleich warnte sie davor, die Proteste vor allem auf mögliche Ausschreitungen zu reduzieren. Entscheidend sei vielmehr, die unterschiedlichen Anliegen ernst zu nehmen und junge Menschen nicht aus demokratischen Debatten auszuschließen.

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