Seit Oktober grassiert die Vogelgrippe in großen Teilen Deutschlands. Betroffen sind unter Wildvögeln vor allem Kraniche. Zudem mussten in großen Geflügelbetrieben in Brandenburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern hunderttausende Tiere getötet werden. In Thüringen hat der Ausbruch des H5N1-Virus seinen Anfang in Geflügelbetrieben im Osten des Landes genommen. Besonders viele tote Wildvögel gab es am Stausee Kelbra an der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt. Dort sind zahlreiche Kraniche verendet. Mittlerweile entspannt sich die Lage, wie das für die Tests verstorbener Tiere zuständige Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz berichtet.
Treten Vogelgrippe-Fälle mittlerweile das ganze Jahr über auf?
Ja. Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts gibt es seit 2021 das ganze Jahr hindurch Infektionen, davor trat der Erreger fast nur im Zusammenhang mit dem Vogelzug in der kalten Jahreszeit auf. Saison hat das Virus laut TLV allerdings nach wie vor im Winter. Das liege vor allem daran, dass sowohl Sonnenlicht als auch höhere Temperaturen die Infektion unterbrechen können. Mit Ende des aktuellen Herbstvogelzuges sinke die Zahl der Fälle zwar. Inzwischen trete das Virus aber verbreitet in der gesamten Wildvogelpopulation auf.
Welcher wirtschaftliche Schaden ist durch die Vogelgrippe in Thüringen entstanden?
In fünf Betrieben gab es Ausbrüche - vier davon allein im Kreis Greiz, wo die ersten Fälle Anfang Oktober bekanntgeworden waren. Insgesamt wurden dort 1.358 Tiere gekeult - davon 907 Enten, 284 Gänse und 149 Hühner. Einen weiteren Fall gab es im Kreis Nordhausen. Dort war ein Betrieb mit 113 Tieren betroffen. Die meisten der Enten und Gänse waren dort nach Angaben des Landratsamtes allerdings bereits verendet gewesen. 25 der Tiere wurden getötet. Muss Geflügel etwa in Agrarbetrieben wegen der Vogelgrippe auf Anordnung der Veterinärbehörden getötet werden, zahlt die Tierseuchenkasse den Tierhaltern eine Entschädigung. Zuletzt lagen dort noch keine Anträge auf Entschädigung vor.
Klar ist aber, Thüringen ist im Vergleich zu anderen Ländern weitgehend verschont geblieben: Schon rund 1,5 Millionen Tiere sind in deutschen Geflügelhaltungen in den vergangenen Wochen wegen Vogelgrippe-Nachweisen im Stall getötet worden. Die Fallzahlen steigen dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) zufolge steiler als in der Saison 2020/2021, einem der bisher schlimmsten Geflügelpest-Winter für die Betriebe.