Die Zahl der von der Opferschutzorganisation Ezra registrierten rechtsextremen, rassistischen und antisemitischen Angriffe in Thüringen bleibt auf hohem Niveau. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 181 derartige Gewalttaten registriert – mehr als drei pro Woche, wie aus der von Ezra vorgelegten Jahresbilanz 2025 hervorgeht. Dabei seien mindestens 252 Menschen angegriffen worden. 40 weitere Menschen seien indirekt betroffen gewesen. Das heißt, dass sie Gewalttaten miterlebt haben, aber nicht persönlich attackiert wurden. Hauptgrund für die Übergriffe oder Bedrohungen war laut Ezra Rassismus, 103 Angriffe seien darauf zurückzuführen.
Im Vergleich zu 2024, als die Opferberater mit 206 Fällen ein Allzeithoch bei rechts motivierten Angriffen erfasst hatten, gingen die Zahlen zwar zurück. Der Blick auf den Zeitraum seit Ende der Corona-Pandemie 2022 zeige jedoch, dass sich rechte Gewalt in Thüringen besorgniserregend verstetigt habe, so Ezra.
Von Körperverletzung bis Brandstiftung
Die Opferberater zählten unter anderem 33 Angriffe auf politische Gegner. Gegen Menschen aus der queeren Szene – also etwa Schwule, Lesben oder transsexuelle Menschen – hätten sich 16 Gewalttaten gerichtet, zehn hatten einen antisemitischen Hintergrund. So sei etwa in Erfurt ein Mann, der einen Davidstern als Anhänger trug, in einer Straßenbahn aus antisemitischen Motiven beleidigt, bedroht und zusammengeschlagen worden. Diesen Fall hatte auch die Polizei als politisch motiviert eingestuft. Unter den von Ezra gezählten Angriffen waren 87 teils gefährliche Körperverletzungen, fünf Brandstiftungen und 81 Nötigungen oder Bedrohungen.
Hotspots rechter Gewalt
Regional seien Erfurt (35 Fälle), Jena (22), das Altenburger Land (16), Gera (12) und der Landkreis Nordhausen (12) Schwerpunkte rechter Gewalt. Im Ilm-Kreis wurden 11 Fälle erfasst. Bekanntester Fall dort war ein Brandanschlag mit einer Feuerwerksbatterie auf die Wohnung einer Flüchtlingsfamilie in Gehren bei Ilmenau. Sechs 18 bis 22 Jahre alte Männer waren dafür in der vergangenen Woche am Landgericht Erfurt verurteilt worden, der Hauptangeklagte zu drei Jahren und zehn Monaten Gefängnis, die übrigen zu Bewährungsstrafen beziehungsweise Verwarnungen. Das Gericht hatte eine rechtsextreme Motivation erkannt.
Sorge um Finanzierung aus Bundesprogramm
Ezra-Projektleiterin Theresa Lauß zeigte sich angesichts der Entwicklung besorgt über die Finanzierungsdebatte um das Bundesprogramm «Demokratie leben», aus dem auch die Thüringer Opferschutzorganisation mitfinanziert wird. Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) will das Programm, das Projekte für Demokratie und zur Abwehr von Extremismus, Rassismus und Antisemitismus fördert, umbauen. Für viele Projekte soll die Förderung zum Jahresende auslaufen.
Neben Ezra erfasst auch die Polizei Fälle rechter Gewaltkriminalität. In der Thüringer Polizeistatistik für 2025 sind 127 Fälle und 256 Opfer erfasst, von denen 128 nichtdeutscher Herkunft sind. Die unterschiedlichen Zahlen von Polizei und Ezra beruhen teils auf unterschiedlichen Erfassungskriterien. So erfasse Ezra auch Bedrohungen mit, sagte Lauß. Zudem gingen manche Gewaltopfer zwar zu Ezra, aber nicht zur Polizei – und umgekehrt. Derzeit prüfe Ezra bislang nicht in ihre Statistik aufgenommene weitere 83 Verdachtsfälle für 2025, die sich aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linke-Bundestagsfraktion ergeben hätten.
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