«Ostdeutschlands vergessene Kunstschätze» hat die Zeitung «Le Monde diplomatique» voriges Jahr einen Beitrag über die Sammlung der Wismut getitelt. Die schlummern auch mehr als 30 Jahre nach der Wiedervereinigung weitgehend verborgen im Depot des heutigen Bergbausanierers in Chemnitz. Während Fachleute seit einiger Zeit ein neues Interesse an Ost-Kunst beobachten, liegen die letzten großen Ausstellungen zur Wismut-Kunstsammlung rund zehn Jahre zurück. Und Pläne für eine im Kulturhauptstadtjahr 2025 vorgesehene Präsentation zerschlugen sich dem Vernehmen nach. Wie ein Neustart aussehen kann - darüber diskutierten Experten am Dienstag in Chemnitz.
Der Name Wismut steht für den Bergbaukonzern, der zu DDR-Zeiten in Sachsen und Thüringen Uran für das atomare Aufrüsten der einstigen Sowjetunion schürfte. Zugleich gab die deutsch-sowjetische Aktiengesellschaft ab 1959 zahlreiche Kunstwerke in Auftrag oder kaufte sie an. Entstanden ist eine Sammlung von mehr als 4200 Arbeiten von Künstlern wie Willi Sitte, Bernhard Heisig, Alexandra Müller-Jontschewa, Werner Petzold, Werner Tübke und Viktor Makejew. Aktuell sind sie noch im Besitz des Bergbausanierers, perspektivisch soll die Sammlung an die neue Wismut Stiftung übergehen. Auch andere DDR-Kombinate haben einst Kunst gesammelt, wenn auch in geringerem Umfang als die Wismut. So etwa das Chemiekombinat Bitterfeld und die Leuna-Werke. Deren mehrere Hundert Arbeiten umfassenden Sammlungen sind heute im Besitz des Landes Sachsen-Anhalt.