Thüringens Ex-Kurzzeitministerpräsident Thomas Kemmerich tritt aus der FDP aus. Er sei zu der Überzeugung gelangt, «dass sich meine Vorstellungen von der Zukunft unseres Landes und die inhaltliche Ausrichtung der Partei auseinanderentwickelt haben», schreibt der 60-Jährige in einer Austrittserklärung an FDP-Chef Christian Dürr, die Kemmerich bei X verbreitete. Kemmerich bestätigte der dpa die Echtheit des Dokuments, wollte sich aber zunächst nicht weiter zu seinem Schritt äußern. Der Thüringer Vize-FDP-Landesvorsitzende Gerald Ullrich nannte diesen auf der Plattform X nachvollziehbar und kündigte seinen Rücktritt an.
Landesvorstand wusste nicht vorher Bescheid
«Die FDP will eine starke freiheitliche Reformpartei sein und kein Nischenangebot. Angesichts der schlechten Bilanz der Bundesregierung ist offensichtlich, dass es das dringender braucht denn je», sagte der FDP-Parteivorsitzende Christian Dürr zu dem Austritt Kemmerichs, der in der Partei zuletzt isoliert war. Dürr sagte: «Dass Thomas Kemmerich diesen Weg nicht mitgehen wollte, respektiere ich.»
Kritiker der Ampel
Kemmerich lag seit der Thüringer Regierungskrise mit der Bundes-FDP im Clinch. In Thüringen konnte sich der Unternehmer aber an der Spitze der Freien Demokraten halten. Bei der Landtagswahl 2024 scheiterte die FDP mit ihm als Spitzenkandidaten an der Fünf-Prozent-Hürde und ist seitdem nicht mehr im Parlament in Erfurt vertreten. Jüngste Umfragen zeigten keine Besserung, zuletzt wurde die FDP in Thüringen unter «Sonstige» einsortiert.
Der in Aachen geborene Kemmerich ist Unternehmer und führt in Thüringen eine Friseur-Kette. Nach eigenen Angaben war er annähernd 20 Jahre Mitglied der FDP und 10 Jahre lang Landesvorsitzender. Außerdem saß er für die FDP mehrere Jahre als Abgeordneter im Thüringer Landtag und zwischenzeitlich im Bundestag. Kemmerich signalisierte in den vergangenen Jahren oft, dass er mit dem Kurs der FDP fremdelte, zudem galt er früh als Kritiker der Ampel-Koalition in Berlin. Zuletzt hatte sich Kemmerich mit der Ex-AfD-Vorsitzenden Frauke Petry gezeigt, die angekündigt hatte, eine neue Partei gründen zu wollen.