Ein Jahr und länger warten Studierende in Thüringen, bis ihr Bafög-Antrag bearbeitet ist. Einige haben deswegen existenzielle Sorgen. Einer der Gründe: Im Studierendenwerk landen Tausende Anträge auf die Studienförderung von Menschen, die überhaupt nicht in Thüringen studieren. Viele davon betreiben ein Fernstudium an der in Erfurt gemeldeten privaten IU Internationalen Hochschule, Deutschlands größter privaten Hochschule. Thüringen will das nun ändern, der Landtag hat dazu in erster Lesung über einen entsprechenden Gesetzentwurf beraten. Was dazu wichtig ist.
Wie stehen die Chancen für die Änderung?
Die Pläne stammen von der Regierungskoalition aus CDU, BSW und SPD, die aber im Landtag keine eigene Mehrheit hat. Die Linke signalisiert allerdings schon generell Zustimmung. Fraktionschef Christian Schaft sagt der Deutschen Presse-Agentur: «Ich kann mir eine Zustimmung grundsätzlich vorstellen.» Das wäre eine Entlastung für die Beschäftigten in den Bafög-Ämtern. Die rechtlichen Feinheiten müssten aber noch diskutiert werden.
Wie ist der Zeitplan und wann profitieren Studierende davon?
Das Wissenschaftsministerium hofft, dass das Gesetz schon im Laufe des Sommersemesters in Kraft tritt. Wie lange es dauert, kommt darauf an, wie viel Beratungsbedarf es im Landtag noch gibt. Wichtig für Studierende: Die Wirkung entfaltet sich erst verzögert. Bis die neuen Regeln gelten, laufen weiterhin alle Anträge in Thüringen ein und werden hier auch zu Ende bearbeitet.
Schaft dringt daher auch auf eine schnellere Lösung: Es brauche ein Notdarlehen für Studierende, die länger als drei Monate auf die Bearbeitung des Antrags warteten. Außerdem müsse sich die Landesregierung stärker für eine grundlegende Bafög-Reform einsetzen.