In den Kindergärten schlägt die Demografie bereits mit Härte zu: Die Zahl der Kita-Kinder sinkt, immer mehr Plätze bleiben frei. Zugleich altert die Gesellschaft: Im Jahr 2024 war Thüringen nach Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern das Land mit der drittältesten Bevölkerung. Das Durchschnittsalter betrug 47,9 Jahre. Und die Bevölkerung schrumpft - um die Größe einer mittleren Stadt allein 2024, rund 14.600 Menschen verlor Thüringen. Zugleich war die Geburtenrate historisch niedrig. Sie könnte noch weiter sinken.
Arbeitskräfte aus Vietnam
Schon jetzt fehlen der Wirtschaft Fach- und Arbeitskräfte, die demografische Entwicklung könnte den Mangel noch weiter verschärfen. Thüringens Migrationsministerin Beate Meißner ist überzeugt: «Thüringen ist auf Einwanderung angewiesen.» Erst kürzlich war Wirtschaftsstaatssekretär Marcus Malsch in Vietnam, um Möglichkeiten auszuloten, Saisonarbeitskräfte und Auszubildende für die Landwirtschaft nach Thüringen zu holen. Ein solches Azubi-Projekt mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) gibt es bereits.
«Wir werden unseren Wohlstand nicht ohne Einwanderung halten können», sagte Meißner. Migrationspolitik bestehe auch darin, denjenigen, die Teil der Gesellschaft werden und in Thüringen arbeiten wollten, auch die Möglichkeit dazuzugeben. «Damit meine ich nicht nur Fachkräfte, sondern auch Arbeitskräfte.»
AfD: Einwanderung keine Lösung
Thüringens AfD-Fraktionschef Björn Höcke hatte dagegen im Dezember erneut signalisiert, dass er Einwanderung nicht als Teil einer Antwort auf den demografischen Wandel sieht. «Weil die Zuwanderer sich perspektivisch an das Reproduktionsverhalten der einheimischen Bevölkerung angleichen, ist Zuwanderung keine Lösung - schon gar keine Zuwanderung, die als Sozialmigration bezeichnet werden muss», sagte Höcke. Die AfD wolle der Entwicklung mit einer Familienoffensive entgegenwirken. «Wir müssen uns aus eigener Kraft regenerieren», sagte Höcke.
Um die Folgen des massiven Bevölkerungsschwunds für die Wirtschaft abzumildern sieht Regierungschef Voigt auch technologische Lösungen. «Wenn ich mir die Geschwindigkeit der Veränderungen angucke, mit der mittlerweile auch durch moderne Technologien Angebote geschaffen werden, dann muss Thüringen nur Erster sein», sagt er. Die Landesregierung dürfe nicht warten, bis diese Entwicklungen über das Land hereinbrechen, sondern müsse vielmehr aktiv mitgestalten. «Und das tun wir.»