Auf dem Weg zu ihren Winterquartieren haben vereinzelt bereits Kraniche Rast am Stausee Kelbra eingelegt. «Die Ersten sind schon da, aber in wirklich kleinen Gruppen. Das große Spektakel erwarten wir ab Ende September», sagte Astrid Koschorreck, Geschäftsführerin des Landschaftspflegeverbands Südharz/Kyffhäuser. Der auf der Ländergrenze zwischen Sachsen-Anhalt und Thüringen gelegene Stausee gehört laut Verband zu den größten Rastplätzen des Kranichs (wissenschaftlich: Grus grus) in Deutschland. In den Hochzeiten des Herbstzugs legen dort täglich bis zu Zehntausende der großen Vögel einen Zwischenstopp ein. Um die Rastauslastung und die Kranichpopulation dort weiter zu dokumentieren, sucht der Verband aktuell nach Freiwilligen, die sich ehrenamtlich an der Zählung beteiligen. «Ich bin etwas angespannt, was die Zahlen in diesem Jahr betrifft», sagte Koschorreck. Ihr steckt noch das vergangene Jahr in den Knochen: Damals hatte die Vogelgrippe Tausende der Tiere das Leben gekostet. Die verendeten Vögel mussten am Stausee eingesammelt werden. «Letztes Jahr war es furchtbar, wir sind noch immer traumatisiert und haben alle geheult», sagte Koschorreck. Für dieses Jahr geht sie allerdings davon aus, dass Helfer beim Zählen wieder deutlich positivere Ansichten als besonderen Lohn für ihre Zeit und Mühe erhalten: «Wenn man am See steht, kann man nicht nur Kraniche, sondern auch viele seltene Rastvögel beobachten. Neben wunderschönen, schon fast kitschig-bunten Sonnenuntergängen, wird man mit diesen Bildern belohnt.» Derzeit sammeln sich die Kraniche vor allem noch an den großen Rastplätzen im Nordosten von Deutschland. Insgesamt werde Deutschland im Herbst von mehr als 400.000 Kranichen überflogen, hieß es zuletzt seitens der gemeinnützigen Organisation Kranichschutz Deutschland. Rund 12.000 bis 12.500 Brutpaare leben laut der Naturschutzorganisation Nabu Thüringen derzeit in Deutschland. Als sogenannte Kurzstreckenzieher fliegen Kraniche häufig von ihren feuchten Brutgebieten im Norden Europas zum Überwintern in den Mittelmeerraum. Auf dem Weg dahin verbringen sie die Nächte gerne ruhigen Gewässern. Inzwischen gibt es aber auch etliche Tiere, die in Deutschland brüten. Neben dem Stausee Kelbra gehören in Thüringen das Rückhaltebecken bei Straußfurt (Landkreis Sömmerda) und in Sachsen-Anhalt etwa das Feucht- und Niedermoorgebiet Drömling an der Grenze zu Niedersachen zu den Orten, wo Kraniche rasten. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenFreiwillige für Zählung gesucht
Nach Trauma 2025 werden wieder schöne Bilder erwartet
Kraniche sind Kurzstreckenzieher