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Nach Kürzung: Weniger Anträge auf Agrardiesel-Rückerstattung

Nach Kürzung: Weniger Anträge auf Agrardiesel-Rückerstattung
21,48 Cent beträgt die Entlastung je Liter Diesel jetzt wieder - in den vergangenen beiden Jahren war sie deutlich zurückgegangen. (Archivbild) / Foto: Jan Woitas/dpa
Die Kürzung beim Agrardiesel war eines der Reizthemen der Bauernproteste. Jetzt zeigen neue Zolldaten: Nach der Kürzung wurden weniger Anträge gestellt. Doch die Zahlen erklären nicht alles.

Im Januar 2024 eskalierten bundesweit die Bauernproteste. Es gab nicht nur Demonstrationen, sondern auch Blockaden von Autobahnen und Mahnfeuer. Ein Auslöser war die damals von der Bundesregierung geplante Kürzung beim Agrardiesel. Aktuelle Zahlen des Zolls zeigen jetzt: Die Antragszahlen waren damals deutlich rückläufig. Doch für Landwirte ist das kein Zeichen dafür, dass die Steuervergünstigungen nicht gebraucht würden. 

Wie viele Betriebe beantragen die Agrardiesel-Entlastung?

Die Zahl der Anträge auf Agrardiesel-Entlastung ist seit Jahren rückläufig. Wie aus aktuellen Zahlen des Zolls hervorgeht, wurden im Wirtschaftsjahr 2021 165.975 Anträge gestellt. Im letzten vollständigen Wirtschaftsjahr 2024 waren es 136.628 Anträge. Das entspricht einem Rückgang um 18 Prozent. 

Die Zahlen lassen sich nicht einzelnen Bundesländern zuordnen. Der Zoll erfasst die Anträge nach den zuständigen Hauptzollämtern. Diese umfassen jeweils mehrere Bundesländer. Zahlen für das Wirtschaftsjahr 2025 liegen noch nicht vor.

Heißt das, dass die Landwirte die Entlastungen beim Agrardiesel gar nicht brauchen? 

Nein. Die Bauernverbände argumentieren, dass die Zahl der Anträge allein wenig darüber aussage, wie wichtig die Entlastung für die Betriebe sei. Der Deutsche Bauernverband sagt, die Agrardiesel-Entlastung bleibe «ein zentrales Instrument zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft». Die Landwirte sehen sich durch die Zahlen sogar bestätigt: Der Rückgang der Agrardieselrückvergütung sei unmittelbar auf die politische Entscheidung zur schrittweisen Abschaffung ab März 2024 zurückzuführen, sagte ein Sprecher des Bundesverbands. Den landwirtschaftlichen Betrieben seien dadurch allein im Jahr 2024 rund 160 Millionen Euro an Entlastung entzogen worden. 

Die Bauernverbände betonen, dass vor allem in Deutschland die Hilfe wichtig sei. «Landwirtschaft ist auf mobile Maschinen angewiesen», sagt Katja Förster, Sprecherin des Bauernverbands Thüringen. Die Betriebe produzierten überwiegend zu Preisen, die auf internationalen Märkten gebildet würden. Gestiegene Energiepreise könnten nicht einfach an die Abnehmer weitergegeben werden. Die Agrardiesel-Entlastung gleiche damit einen Teil dieser Kostenbelastung aus und trage dazu bei, Wettbewerbsnachteile gegenüber anderen EU-Mitgliedsstaaten zu begrenzen. Denn Diesel sei in Deutschland im EU-Vergleich sehr teuer, heißt es aus Sachsen-Anhalt. 

Worum geht es bei den Diesel-Erstattungen? 

Agrardiesel ist handelsüblicher Dieselkraftstoff, der für land- und forstwirtschaftliche Maschinen und Fahrzeuge eingesetzt wird. Betriebe können sich die Energiesteuer dafür teilweise vom Hauptzollamt erstatten lassen - die Vergütung beläuft sich auf 21,48 Cent je Liter. Die Begünstigung besteht seit mehr als 70 Jahren. Im Zuge der Haushaltskrise und notwendiger Einsparungen hatte die Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP beschlossen, die Subvention schrittweise zu streichen: 2024 wurde die Entlastung von 21,48 Cent je Liter zunächst auf 12,88 Cent und 2025 weiter auf 6,44 Cent reduziert. Für im Jahr 2026 verbrauchte Mengen sollte es keine Erstattung mehr geben. 

Das löste ab Dezember 2023 bundesweit heftige Bauernproteste aus. Die neue Bundesregierung aus Union und SPD machte die Abschaffung rückgängig: Der Bundestag beschloss im November 2025 die Wiedereinführung der vollen Steuervergünstigung. Seit Anfang 2026 gilt die Agrardiesel-Rückvergütung von 21,48 Cent pro Liter damit wieder in vollem Umfang. 

Warum ist die Agrardiesel-Entlastung umstritten? 

Kritiker argumentieren, dass eine Verbilligung fossiler Kraftstoffe den Anreiz für einen Umstieg auf alternative Antriebe schwäche. Hier spielt der Umweltschutz eine wichtige Rolle. Außerdem koste die Regelung den Bund rund 430 Millionen Euro pro Jahr. 

Machen die Rückerstattungen für die Betriebe denn so viel aus? 

Gerade große Betriebe sind von hohen Energiepreisen betroffen. Bauernpräsident Joachim Rukwied erläuterte vor einiger Zeit: «Ein großer Mähdrescher braucht ungefähr 1.000 Liter Diesel pro Tag. Wenn der Liter jetzt 50 Cent teurer ist als vor einem Jahr, dann sind das 500 Euro Kosten mehr am Tag. Das ist immens.» 

Warum beantragen dann immer weniger Landwirte die Rückerstattung? 

Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Es sei naheliegend, dass sich die geringere finanzielle Entlastung in den Jahren 2024 und 2025 auch auf die Zahl der Anträge auswirke, sagt Erik Heckt vom Bauernverband Sachsen-Anhalt. Der Aufwand der Beantragung sei gleich geblieben. Der wesentliche Aufwand liege weniger im Ausfüllen des Antrags als darin, Rechnungen und Liefernachweise für den Diesel aufzubewahren und gegebenenfalls Aufzeichnungen über den Dieselverbrauch und die eingesetzten Maschinen zu führen. Zudem bestehe bei fehlerhaften Angaben oder Dokumentationslücken das Risiko, dass die Rückvergütung zurückgezahlt werden müsse oder der Betrieb noch weitergehend belangt werde. 

Gerade bei kleineren Betrieben könne die Entlastung gering sein. In Thüringen wirtschaften nach Angaben des Bauernverbands von rund 3.590 Betrieben rund 44 Prozent im Nebenerwerb. Gerade diese Betriebe hätten nur einen kleinen oder teilweise sogar gar keinen Maschinenpark.

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