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Ottobock findet Käufer für Thüringer Rollstuhlsparte

Des Prothesenherstellers Ottobock trennt sich vom einstigen Stammsitz in Thüringen. (Archivbild) / Foto: picture alliance / dpa
Des Prothesenherstellers Ottobock trennt sich vom einstigen Stammsitz in Thüringen. (Archivbild) / Foto: picture alliance / dpa

Ein Standort mit Geschichte: Ottobock kehrte 1991 zum einstigen Stammsitz in Königsee zurück – jetzt wird das Werk mit 270 Beschäftigten verkauft.

Der Prothesenhersteller Ottobock trennt sich von seiner Rollstuhlsparte am Standort Königsee in Thüringen. Mit dem Medizintechnikunternehmen DHCare sei eine Vereinbarung über den Verkauf des Geschäftsbereichs Human Mobility geschlossen worden, teilte Ottobock am Firmensitz Duderstadt in Südniedersachsen mit. Der Abschluss der Transaktion solle im zweiten Halbjahr erfolgen.

«Mit dem Verkauf unseres Rollstuhlgeschäfts schärfen wir unseren strategischen Fokus auf das Kerngeschäft», sagte Vorstandschef Oliver Jakobi laut Mitteilung. Mit DHCare habe man hier den richtigen Investor für die Sparte gefunden. «Wir sind überzeugt, dass die Human Mobility im neuen Umfeld beste Wachstumschancen hat.» Im Rahmen der Transaktion gehen die deutschen Human-Mobility-Gesellschaften sowie der niederländische Kinderrollstuhlspezialist veldink4Kids in den neuen Unternehmensverbund über.

Käufersuche lief seit 2025

Ottobock-Chef Jakobi hatte bereits Anfang des Jahres gegenüber der Deutschen Presse-Agentur angekündigt, sich von dem Rollstuhlgeschäft und dem Standort in Thüringen trennen zu wollen. Das Rollstuhlgeschäft passe «nicht mehr so richtig zu unserem sonstigen Geschäft», so Jakobi damals. Im vergangenen Jahr habe man daher begonnen, mit möglichen Kandidaten zu sprechen. In Königsee arbeiten damaligen Angaben zufolge gut 270 Beschäftigte. Ziel sei es, Standort und Arbeitsplätze zu erhalten, so Jakobi damals. 

«Mit dem Verkauf dieses Nichtkern-Geschäftsfeldes setzen wir unsere Fokussierung auf den Ausbau von wachstumsstarken und hochinnovativen Geschäften fort», sagte Finanzvorstand Arne Kreitz. «Gleichzeitig ist uns wichtig, den Übergang für die betroffenen Mitarbeitenden, Standorte sowie für Kunden und Partner geordnet und verlässlich zu gestalten. Mit DHCare haben wir dafür einen Partner gefunden, der Human Mobility in einem starken europäischen Mobilitätsumfeld weiterentwickeln will.»

DHCare will mit Zukauf Marktposition ausbauen

DHCare mit Hauptsitz in London war Februar aus dem Zusammenschluss von Direct Healthcare Group und Invacare entstanden und bietet unter anderem Elektrorollstühle an. «Diese Akquisition ist ein wichtiger Meilenstein für DHCare», sagte Vorstandschef Graham Ewart laut Mitteilung. Für sein Unternehmen sei er der erste Zukauf nach dem Zusammenschluss. «Mit Ottobock Human Mobility machen wir einen wichtigen Schritt auf dem Weg, unsere Position als führender Anbieter von Mobilitätslösungen in Europa weiter auszubauen.»

Thüringen war bis 1948 Firmensitz

Königsee ist für Ottobock dabei nicht irgendein Standort: Das Unternehmen hatte hier ab 1920 seinen Sitz, bis es 1948 durch die sowjetische Besatzungsmacht enteignet wurde und nach Duderstadt ins nahe Niedersachsen umzog. Nach dem Ende der DDR kaufte Ottobock 1991 das einstige Firmenanwesen zurück und baute dort später die Rollstuhlsparte auf, die nun an DHCare geht.

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