Als sich Mario Röllig mit 17 Jahren in einen Mann aus Westberlin verliebte, stand zwischen ihnen die Berliner Mauer. Sein Freund konnte ihn zwar in der DDR besuchen. Aber das Ministerium für Staatssicherheit hatte ein Auge auf die beiden. Röllig sollte den Mann bespitzeln, um ihn erpressbar zu machen. Als der Druck zu groß wurde, wagte der junge Ostberliner einen Fluchtversuch über Bulgarien. Er wurde gefasst und kam in Stasi-Haft. Es war das Jahr 1987.
Röllig erzählt seine Geschichte bei einem Besuch von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) in der Gedenkstätte Hohenschönhausen kurz vor dem 65. Jahrestag des Mauerbaus vom 13. August 1961. Die Berliner Mauer selbst ist ja fast spurlos verschwunden, seit die friedliche Revolution in der DDR sie 1989 zu Fall brachte. Nur noch Bruchstücke sind in der Stadtmitte zu finden, dazu die bunt bemalte East Side Gallery in Friedrichshain.
Hier aber, im Schatten der Wachtürme dieses graubraunen Gefängniskastens, wirkt der untergegangene SED-Staat noch sehr greifbar. «Die Mauer war für die Bürgerinnen und Bürger der DDR ein Gefängnis aus Beton», sagt Klöckner.