Thüringens Auszubildende könnten künftig ähnlich betreut werden wie Studierende. «Wir prüfen derzeit die Einrichtung eines Auszubildendenwerks», sagte Ministerpräsident Mario Voigt der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt. Eine solche Organisation, die sich um die Belange von Tausenden Azubis im Freistaat kümmern solle, wäre vergleichbar mit dem Studierendenwerk. «Es geht darum, Studierende und Azubis gleichwertig zu behandeln», sagte der CDU-Politiker. Die Landesregierung sei dazu im Kontakt mit den Kammern sowie dem DGB, ohne die ein solches Projekt nicht möglich sei. Voigt sprach von einer Machbarkeitsstudie, aus der die nächsten Schritte abgeleitet werden könnten. «Wir wollen sehen, was trägt, bevor wir etwas versprechen.» Letztlich könnte die Attraktivität der dualen Ausbildung verbessert werden. Eine denkbare Aufgabe des Azubi-Werks könnte bezahlbarer Wohnraum für Auszubildende sein, die fern ihrem Wohnort ihre Lehre absolvieren, oder günstige Mobilitätangebote. Das Studierendenwerk an Hochschulen ist für die soziale, wirtschaftliche und kulturelle Betreuung von Studierenden zuständig. Ein Azubi-Werk wird in Thüringen seit einiger Zeit diskutiert. Ins Spiel gebracht wurde es vom Bezirksvorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Hessen-Thüringen, Michael Rudolph, aber auch von der Linken. Die Industrie- und Handelskammer Erfurt beispielsweise hat sich jedoch gegen das Vorhaben ausgesprochen. Aus Sicht der Kammer stehen hohe Kosten und der zu erwartende Verwaltungsaufwand in keinem Verhältnis zum Nutzen. Nach einer IHK-Umfrage würde nur ein kleinerer Teil der Jugendlichen für ihre Ausbildung den Wohnort wechseln. Die Linke-Landtagsfraktion verwies darauf, dass die Regierung vom Parlament beauftragt sei, die Einrichtung eines Azubi-Werks zu prüfen. Die Abgeordnete Linda Stark kritisierte einen Bericht, der ihrer Meinung nach aus rein finanzieller Perspektive auf das Projekt schaue, «ohne dabei die Gleichstellung von beruflicher und akademischer Bildung zu berücksichtigen». Dass eine bessere Unterstützung von Auszubildenden möglich sei, zeigen nach Angaben von Stark Azubi-Werke in München, Hamburg und Bremen. Zudem habe sich im Februar 2026 Schleswig-Holstein für die Errichtung eines landesweiten Azubi-Werks entschieden. In diesem Jahr haben sich nach Angaben der Regionaldirektion bei den Arbeitsagenturen im Freistaat 7.125 Bewerberinnen und Bewerber für einen Ausbildungsplatz gemeldet. Zur Verfügung standen 9.591 Ausbildungsstellen. Seit Jahren ist das Angebot an Lehrstellen deutlich größer als die Zahl der Interessenten. Betriebe in Handwerk und Industrie haben Sorge, dass sie ausreichend junge Nachwuchskräfte gewinnen können. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenWohnen und Mobilität als Aufgabe
Linke: Gibt bereits solche Projekte anderswo