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FSJ und FÖJ in Thüringen stark nachgefragt – Plätze und Finanzierung im Blick

Häufig sind es junge Menschen, die ein FSJ oder FÖJ absolvieren, wie der 18-jährige Elija Schildheuer-Rowe im Erinnerungsort Topf & Söhne. / Foto: Martin Schutt/dpa
Häufig sind es junge Menschen, die ein FSJ oder FÖJ absolvieren, wie der 18-jährige Elija Schildheuer-Rowe im Erinnerungsort Topf & Söhne. / Foto: Martin Schutt/dpa

In Thüringen bleiben FSJ und FÖJ gefragt: 927 FSJ- und 152 FÖJ-Plätze, stabile Bewerberzahlen – künftige EU-Förderung ungewiss.

Dienste wie das Freiwillige Soziale oder Ökologische Jahr (FSJ/FÖJ) sind in Thüringen gefragt. «Durchschnittlich kommen bei uns auf jede FSJ-Stelle drei Bewerber», fasst Norman Hahn von der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung (LKJ) zusammen, die als Träger aktuell 112 FSJ-Plätze in ganz Thüringen anbietet. Auch dem Sozial- und Umweltministerium zufolge sind die Teilnehmerzahlen stabil, bisher sei etwa kein Einfluss der neuen Wehrdienstregelung feststellbar.

Von Denkmalpflege zum Sportverein

Die Bandbreite der möglichen Tätigkeiten ist groß: Im FSJ reicht sie von den Bereichen Soziales und Gesundheit über Sport und Kultur bis hin zur Denkmalpflege. Einsatzorte gibt es etwa in Krankenhäusern, Sozialstationen, Kindertagesstätten oder Sportvereinen. Doch auch Bürgerradios, Theater, Zirkusprojekte oder der Landtag gehören dem Sozialministerium zufolge dazu.

Selbst in Handwerksbetrieben oder bei Denkmalpflegestellen gibt es FSJ-Stellen. Im Rahmen des FÖJ stehen unter anderem Dienste im Umwelt- und Naturschutz, der Landschafts- und Tierpflege, der Forstwirtschaft oder der Umweltbildung zur Auswahl.

FSJler als wertvolle Unterstützung für Social Media

Vom freiwilligen Einsatz könnten beide Seiten profitieren, heißt es von mehreren Ansprechpartnern: sowohl die Einsatzstellen als auch die Freiwilligen selbst. «Für uns sind die jungen Menschen eine wertvolle Ergänzung in unserem Team», erklärt etwa Ulrike Nonn-Pfistner vom Stadtteilzentrum am Herrenberg in Erfurt.

Vor allem im Bereich Social Media oder in der Öffentlichkeitsarbeit brächten die Freiwilligen meist viel Expertise mit. «Wir würden es sehr begrüßen, wenn nicht nur Abiturienten dieses Angebot nutzen würden, sondern Jugendliche mit einem Realschulabschluss.» Diese nutzen das Angebot sehr selten. 

Auch Niklas Metzner, der seit September in der FSJ-Stelle der Einrichtung arbeitet, äußert sich positiv: «Jeder Tag bringt etwas Neues, ich kann diese Erfahrung nur empfehlen.» Wie vielen anderen habe es auch ihm persönlich bei seiner Studienwahl geholfen.

«Prägende Erfahrung für viele»

Ganz grundsätzlich könne die Zeit «zwischen Schule und Beruf» eine wertvolle Weichenstellung für das spätere Berufsleben sein, sind sich alle Befragten einig. «Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dieses Jahr eine prägende Erfahrung für viele junge Menschen ist», erklärt die Leiterin des Erinnerungsorts Topf & Söhne, Annegret Schüle. Mehrere ehemalige FSJler seien der Einrichtung treu geblieben und böten - oft neben dem Studium - Führungen an. 

Zudem sehen die Verantwortlichen im großen Interesse am Freiwilligendienst ein gutes Argument gegen gängige Vorurteile: Viele junge Menschen wollten sich engagieren, so Hahn. Daher sei es wichtig, diese Angebote auch in Zukunft zu ermöglichen und attraktiv zu gestalten.

Mischfinanzierung auch aus EU-Töpfen

Aktuell sind in Bezug auf die künftige finanzielle Ausstattung von FSJ und FÖJ einige Fragen offen. In Thüringen werden den Ministerien zufolge neben Mitteln der Einsatzstellen und des Bundes auch Gelder aus Töpfen der Europäischen Union benötigt. Die aktuelle Förderperiode des Europäischen Sozialfonds laufe in den Jahren 2027/28 aus. Bisher gebe es von der Europäischen Kommission noch keine Aussagen zu den künftigen Rahmenbedingungen, erklärt eine Sprecherin des Sozialministeriums.

«Wir hoffen, dass ein Weg gefunden wird, die Finanzierung auch in Zukunft zu sichern und vielleicht sogar ein wenig zu erhöhen», so Hahn. Finanzielle Einschnitte könnten sich deutlich negativ auf das Angebot auswirken. So könne ein solcher Schritt ein fatales Signal an alle jungen Menschen sein, die sich engagieren wollten.

Im Moment überwiege aber die Hoffnung, dass es weitergehe, so Hahn. «Wenn wir die Dienste in Zukunft noch ein bisschen attraktiver machen und die Einsatzmöglichkeiten noch ein bisschen weiter gestreut werden können, könnten wir aber noch deutlich mehr erreichen.» Denn auch für Einsatzstellen und Freiwillige seien Kosten gestiegen.

Taschengeld und Altersgrenze

In Thüringen gibt es der Landesregierung zufolge aktuell 927 Plätze im FSJ und 152 Plätze im FÖJ. Die größten Träger im FSJ seien das Landesjugendwerk der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Thüringen mit 190 Plätzen, der Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) mit 140 Plätzen und das LKJ mit 112 Plätzen. Der größte FÖJ-Träger im Freistaat ist demnach die Naturfreundejugend Thüringen.

In der Regel beginnen die Einsätze im September und dauern ein Jahr. Die Freiwilligen erhalten in dieser Zeit ein Taschengeld von maximal 336 Euro im Monat. Im Gegensatz zum Bundesfreiwilligendienst gibt es bei FSJ und FÖJ unter anderem eine Altersgrenze von maximal 27 Jahren, der Dienst kann zudem nur einmal geleistet werden.

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