Lust auf eine große Feier hat Bodo Ramelow nicht: «Ich begehe den 70. im ganz kleinen Familienkreis – keine zehn Leute. Jeder von ihnen ist mir sehr wichtig.» Öffentliche Huldigungen mit Stehempfang und Tischen voller Blumensträuße möchte er nicht, sagt Thüringens ehemaliger Ministerpräsident und heutige Bundestags-Vizepräsident im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt. Geburtstage seien ihm nicht wirklich wichtig. Doch wie geht der wohl erfolgreichste Linke mit dem Älterwerden um, wie sieht er seine Zukunft?
Voll sei sein Terminkalender wie in seiner Zeit als Thüringer Ministerpräsident – kurz vor seinem Geburtstag besuchte er das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe oder sprach bei der Eröffnung des ersten Moschee-Neubaus in Thüringen. «Wenn ich etwas mache, mache ich es ganz.»
Wie Ramelow über das Älterwerden denkt
«Manchmal denke ich, ich bin wie das sprichwörtliche alte Zirkuspferd.... Aber irgendwann ist Schluss.» Er habe sich für die aktive Politik ein zeitliches Limit gesetzt – noch drei Jahre bis zum Ende der Legislaturperiode. Für eine weitere Amtszeit im Bundestag werde er definitiv nicht kandidieren. Wichtig sei ihm, fit zu bleiben. Er und seine Frau hätten sich E-Bikes zugelegt, aber es gehe auch zu Fuß mit Hündin Lilo um die Bleilochtalsperre, wo das Ehepaar ein Ferienhaus hat.
Und Ramelow räumt ein: «Wenn Leute verblüfft sind, dass ich 70 bin, dann freut mich das.» Er lerne immer noch dazu, auch von jungen Leuten. Die Linke habe schließlich die jüngste Fraktion im Bundestag. «Die digitale Welt von Instagram und TikTok übernehmen die Jungen in meinem Büro. Accounts bei X, Bluesky und Facebook bediene ich.»
Und Ramelow, der als wortgewaltig, aber auch aufbrausend gilt, trainiert den präsidialen Stil, der bei turbulenten Bundestagssitzungen von Vorteil sein kann. «Sobald ich auf dem Präsidentenstuhl sitze, schalte ich viele Reize ab, damit ich nicht impulsiv werde. Das habe ich lange trainiert», sagt er. Er bemühe sich um Respekt allen Abgeordneten gegenüber, «auch den Schreihälsen. Man darf Hass und Gift nicht in sich reinlassen.»