Der Erfurter Politikwissenschaftler und KI-Experte Thorsten Thiel hält vor allem eine mögliche Verwendung nicht verifizierbarer Zitaten in einem Gastbeitrag von Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt für problematisch. Es handele sich offenbar um einen typischen Fall von generierten Texten. «Das ist problematisch. Das zeugt von äußerst schlechtem Handwerk», sagte Thiel der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt. Zugleich warnte der Experte vor einem «Jagdfieber» und eine Instrumentalisierung solcher Fälle als politische Waffe.
Dass sich die Zitate nicht verifizieren ließen, sei ein eindeutiger Hinweis auf den Einsatz von generativen Verfahren. «Es ist gegenüber den Personen, die da zitiert werden und denen etwas in den Mund gelegt wird, eindeutig ein Verstoß gegen die Redlichkeit.»
KI-Hilfe beim Redenschreiben «kein Drama»
Thiel bewertete die Verwendung möglicherweise erfundener Zitate als schwerwiegender als die Erstellung von Reden durch generische KI. «Dass diese Art von Reden assistiert geschrieben werden, scheint mir der Normalfall zu sein. Dafür gibt es ja auch Redenschreiber», sagte der Professor für Demokratieförderung und Digitalpolitik. Anders als bei wissenschaftlichen Texten sei die Person des Autors nicht notgedrungen dieselbe Person, die auch den Text verfasst habe. «Das scheint mir kein Drama zu sein.»
Politische Gegner können das Thema nutzen
Thiel warnte auch vor einem «Jagdfieber», wie es bei Plagiaten schon stark der Fall sei. Plagiatsvorwürfe würden beispielsweise stark als politische Waffe eingesetzt. «Das Jagen mit Tools ist definitiv gefährlich, weil das erzeugt permanent ein Verdachtsmodell.» Dennoch müssten Politikerinnen und Politiker aus dem Fall lernen, dass sie mit den KI-Werkzeugen besser umgehen müssen, wenn sie sie verwenden. «Politik muss sich da professionalisieren, um die Gefahr der Skandalisierung etwas zu dämpfen.»
Voigt aber komme aus dem öffentlichen Diskurs zunächst nicht mehr raus, glaubt Thiel. «Seine politischen Gegner werden das nutzen.» Es sehe einfach schlecht aus, was da passiert sei. Seiner Meinung nach sei aber der generelle Vertrauensverlust in etablierte Politik ein weitaus größeres Problem für die Demokratie als die Erstellung von Reden mit Hilfe von KI.
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