«Austarieren und den Laden zusammenhalten» - dieser Arbeitsbeschreibung ist Frank Augsten als Fraktionschef nach Ansicht etlicher Thüringer BSW-Abgeordneter gerecht geworden. Der 67-Jährige führte seit Dezember 2024 eine ungewöhnliche Fraktion mit Abgeordneten ganz unterschiedlicher politischer Herkunft, mit teils absoluten Neulingen in der Politik und mit einer großen Aufgabe: Teil einer Regierungskoalition sein, Mehrheiten hinkriegen. Nun hat Augsten seinen Rücktritt bekanntgegeben. Der Agraringenieur will sich wieder ganz seinen fachpolitischen Themen widmen: Landwirtschaft, Umweltpolitik, erneuerbare Energien.
Umstrittenes Treffen mit Björn Höcke
Augsten, so hört man es von mehreren Abgeordneten, galt als ausgleichender Vorsitzender in der Thüringer BSW-Fraktion - auch bei strittigen Themen. Derlei gibt es in der jungen Partei einige. Da ist zum Beispiel der Umgang mit der AfD von Landespartei- und Fraktionschef Björn Höcke. Augsten bot öffentlich und medial viel beachtet ein Treffen mit dem Rechtsaußen an, um über eine mögliche Auflösung von Blockaden im Parlament zu sprechen. Zwei Stunden redete Augsten mit Höcke - ohne greifbares Ergebnis.
Doch für seine BSW-Fraktion bildete er damit auch die unterschiedlichen Strömungen bei dem Thema ab, die zwischen größerer und kleinerer Offenheit rangieren, wenn es um den Umgang mit der AfD und ihren Anträgen geht. Immer wieder erklärte er, auch mit AfD-Politikern zu reden.
Höcke bedauert Abgang
Thüringens AfD-Fraktionschef Höcke teilte nun auch sein Bedauern über den Rücktritt von Augsten mit. «Auch bei klaren politischen Differenzen war der Umgang miteinander stets von Respekt geprägt», wird Höcke in einer Mitteilung zitiert.
Bei wichtigen Abstimmungen bekam Augsten oft eine einheitliche Linie in der Fraktion hin, manchmal wurden aber auch Abweichler sichtbar - zum Beispiel bei einem AfD-Antrag, der die Entlassung von Innenminister Georg Maier (SPD) forderte. Anders als BSW-Fraktionen in anderen Bundesländern galt die Thüringer BSW-Fraktion immer als vergleichsweise stabil.
Thüringens CDU-Fraktionschef Andreas Bühl sagte, er freue sich, dass Augsten in der Fraktion bleibe, nur in anderer Funktion. «Ich habe seine Arbeit immer geschätzt. Er ist ein ausgleichender Charakter.» Für ihn sei ein gutes Zeichen, dass Augsten im Amt bleibe, bis der Übergang erfolgt sei. «Für uns ist schon wichtig, dass wir eng und vertrauensvoll alle Dinge zwischen den regierungstragenden Fraktionen abstimmen können», sagte Bühl. Er sei aber auch hoffnungsvoll, dass das weiterhin so funktioniere.