Die Corporate Sustainability Reporting Directive (kurz: CSRD) stößt ebenso wie die schon länger gültigen ESG-Anforderungen einen nachhaltigen Wandel in deutschen und internationalen Unternehmen an. Wie jede Transformation, bringt auch diese ihre ganz eigenen Herausforderungen mit sich. Die müssen für Unternehmen aber nicht langfristig zum Nachteil avancieren, sondern können genauso als Chance begriffen werden.
Die Politik nimmt Unternehmen stärker in die Pflicht
Die EU-Politiker in Brüssel machten das zur Pflicht, was lange freiwillig war: Mit der CSRD-Richtlinie müssen mehr und mehr Unternehmen offenlegen, welche Nachhaltigkeitsleistungen sie selbst ergreifen und welche Auswirkungen ihr eigenes Handeln auf die Umwelt und die Menschen hat. Im Fokus der Richtlinie stehen allen voran ESG-Aspekte. Solche also, die sich auf ökologische, soziale und Governance-Faktoren beziehen. Für viele Unternehmen ist diese noch nachhaltigere Ausrichtung nicht unbedingt neu. Der Großteil von ihnen fiel zuvor schon unter die EU-Richtlinie der Non-Financial Reporting Directive (NFRD). Selbige war es auch, die durch die neue CSRD-Richtlinie abgelöst wurde.
Offiziell in Kraft getreten ist die neue Richtlinie als Teil des "Europäischen Green Deals" am 5. Januar 2023, wobei nicht alle Vorgaben sofort umgesetzt werden mussten. Seit dem Jahr 2024 griff die CSRD-Richtlinie für Unternehmen, die schon nach NFRD berichtspflichtig waren. Ab dem Jahr 2025 fand die erste Ausweitung statt: Auf große Unternehmen, die mehr als 250 Mitarbeitende, mehr als 40 Millionen Euro Umsatz oder eine Bilanzsumme höher als 20 Millionen Euro vorweisen - zwei dieser drei Kriterien müssen erfüllt sein. In den kommenden Jahren müssen sich weitere Unternehmen damit befassen: Ab 2026 auch öffentlich notierte KMUs und ab 2028 Nicht-EU-Unternehmen, die Niederlassungen innerhalb der Europäischen Union haben.
Was ist nach CSRD überhaupt relevant?
Antworten auf diese Frage soll die Wesentlichkeitsanalyse liefern, die als zentrales Schlüsselinstrument aufzeigt, wie das Handeln von Unternehmen Einfluss nimmt und welche Auswirkungen aufgrund dieser Einflüsse zu erwarten sind. Weil das Thema selbst komplex ist und diese Form der Eigenanalyse Objektivität voraussetzt, dürfen Unternehmen die Erstellung ihrer Analyse softwaregestützt vornehmen. Dafür gibt es beispielsweise Tools wie die Haufe Wesentlichkeitsanalyse, die den Prozess nachhaltig digitalisieren sollen.
Ob mit diesen, anderen oder eigenen Tools umgesetzt, valide ist eine Wesentlichkeitsanalyse nur dann, wenn sie nach dem Prinzip der "doppelten Wesentlichkeit" stattfindet. Hinter dem sperrigen Begriff verbirgt sich eine Betrachtung aus zwei verschiedenen Perspektiven, die zusammen dann eine ganzheitliche Evaluation der Nachhaltigkeitsfaktoren ermöglichen.
Inside-out-Perspektive wird der "Blick" genannt, der die Auswirkungen des Unternehmens auf die Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft in den Fokus rückt. Das Unternehmen "schaut" bei seiner Betrachtung also nach "außen", um die Folgen des eigenen Handelns besser abschätzen zu können.
Die Outside-in-Perspektive ist gewissermaßen das Gegenstück. Unternehmensvertreter schauen von "außen" nach "innen", also in das Unternehmen. Gemeint ist damit die Analyse von ökologischen, gesellschaftlichen und sozialen Entwicklungen, die wiederum Einfluss auf das Unternehmen selbst nehmen. Im Fokus der Outside-in-Perspektive stehen beispielsweise Hürden und Probleme wie solche mit Just-in-Time-Lieferketten oder generelle Klimarisiken.
Strukturiertes Vorgehen bei der Erstellung
Offizielle und privatwirtschaftliche Institutionen gaben seit der Einführung der CSRD-Leitlinie einige Tipps, wie Unternehmen die Anforderungen dieser und der Wesentlichkeitsanalyse korrekt umsetzen können.
In einem ersten Schritt findet immer die Identifikation der Stakeholder statt. Das sind die Gruppen, die mit dem Unternehmen interagieren - Kunden, Mitarbeitende, Lieferanten, Investoren und andere.
Im zweiten Schritt werden typische und unternehmensspezifische ESG-Aspekte zusammengetragen. Im Fokus davon stehen zum Beispiel Themen wie soziale Verantwortung, die Unternehmensführung oder Energieeffizienz. Die Gewichtung kann variieren: Energieintensive Industrieunternehmen müssen natürlich stärker auf die Energieeffizienz achten, Verteidigungsunternehmen hingegen beispielsweise vor allem auf ihre soziale Verantwortung und das Sourcing von Rohstoffen. Relevant sind solche Themen, in der einen oder anderen Form, aber für jedes Unternehmen.
Anschließend findet eine objektive Bewertung statt, bei der Stakeholder befragt und Benchmarks durchgeführt werden. Themen mit hoher Relevanz finden sich anschließend in der Wesentlichkeitsanalyse wieder. Zuvor festgelegte Kennzahlen dienen nun zur Bewertung der eigenen Auswirkungen und der Auswirkungen von außen auf das Unternehmen.
Ein Gewöhnungsprozess ist zu erwarten
Viele große, internationale Konzerne dürften mit diesen Punkten kaum überfordert sein. Anders im Mittelstand, wo teilweise entsprechende Berichte und Daten bisher gar nicht existieren. Mittelstandsunternehmen müssen deshalb oft am Fundament beginnen: Das kostet Zeit und Personal, notwendig ist es dennoch. So erfüllen die betroffenen Unternehmen nicht nur ihre gesetzliche Pflicht, sondern können sich durch eine Integration von ESG-Themen in die Unternehmensstrategie mitunter sogar Wettbewerbsvorteile verschaffen.