Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Bistum Erfurt sieht sich in ihrer Arbeit ausgebremst. In ihrem aktuellen Jahresbericht 2025 wirft das Gremium Verantwortlichen vor, die Aufarbeitung zu untergraben. So habe das Bistum mit Verweis auf Datenschutzgründe und Sorge vor Retraumatisierung die Befragung von Betroffenen über den Umgang mit dem ihnen zugefügten Leid nicht unterstützt.
Das Gremium habe daraufhin sogar den Klageweg erwogen, diesen dann aber wegen der langen Dauer solcher Rechtsstreitigkeiten wieder verworfen, hieß es in dem im Internet veröffentlichten Bericht. Bischof Ulrich Neymeyr kritisierte die Veröffentlichung und wies die erhobenen Vorwürfe zurück. Der Bericht sei als Zwischen- beziehungsweise Werkstattbericht nicht zur Veröffentlichung vorgesehen gewesen, sagte der Bischof den Thüringer Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstagsausgabe).
Bezug zur Vergangenheit und Umgang mit Schuld
Der Jahresbericht der Aufarbeitungskommission erschien am Vortag der Beisetzung von Erfurts Altbischof Joachim Wanke. Zum Auftakt der Totenmesse für Wanke am Samstag im Erfurter Dom ging Neymeyr indirekt darauf ein: «Wir Christen sprechen auch bei einer Beisetzung davon, dass der Verstorbene Fehler und Sünden begangen hat und bitten Gott um Vergebung dafür.»
Wanke habe verschiedentlich um Vergebung für Entscheidungen zum Einsatz von Priestern gebeten, die sich des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht hätten, sagte Neymeyr. Er habe diese Vergebungsbitten nicht in einer allgemein unverbindlichen Art ausgesprochen, sondern ganz konkret - etwa in einem Entschuldigungsbrief an eine Kirchgemeinde oder in einer öffentlichen Stellungnahme, in der er bekundete, dass er in einem konkreten Fall damals falsch entschieden habe und mit dem Wissen von heute anders entschieden hätte.
Die Aufarbeitungskommission untersucht Fälle von sexuellem Missbrauch im Bistum Erfurt innerhalb des Zeitraums von 1945 bis zum Oktober 2021, dem Zeitpunkt ihrer Konstituierung. Voraussichtlich im Herbst dieses Jahres plant das Gremium, seinen Abschlussbericht vorzulegen.
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