Angehörige von Pflegebedürftigen in Thüringen beklagen eine Einseitigkeit in der Debatte um die Reform der Pflegeversicherung. Es gehe offensichtlich nur um Leistungskürzungen, sagte Sigrun Fuchs, Vorstandsmitglied des Vereins «Wir pflegen!», einer Interessen- und Selbsthilfevereinigung pflegender Angehöriger, der Deutschen Presse-Agentur. Dies sorge bei Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen für Verunsicherung. «Alte Menschen werden als reiner Kostenfaktor betrachtet, das ist fürchterlich.»
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat ein Reformkonzept für die unter großem finanziellen Druck stehende Pflegeversicherung angekündigt. Die öffentliche Debatte dreht sich etwa um höhere Hürden für die Einstufung in Pflegegrade, die Voraussetzung für finanzielle Zuwendungen durch die Pflegekassen sind.
Forderung: Angehörige stärken
Eine Konzentration allein auf Leistungskürzungen wäre für Fuchs der falsche Ansatz. «Der Ansatz muss sein: Wie können wir eine bedarfsgerechte Versorgung der Pflegebedürftigen organisieren, was können wir besser machen und wie können wir dabei die Angehörigen stärken – die ja die Hauptlast bei der Betreuung tragen?» Genau dies passiere aber nicht.
In Thüringen leben knapp 200.000 Pflegebedürftige. Der größte Teil von ihnen wird zu Hause von Verwandten gepflegt. Nicht alle werden dabei von ambulanten Pflegediensten unterstützt oder können sich professionelle Hilfe leisten. «Das ist kein Randthema», so Fuchs.
Der Verein veranstaltet ab Montag die Woche der pflegenden Angehörigen. Mehr als 70 Veranstaltungen in 27 Orten stehen auf dem Programm, hauptsächlich Beratungen zu verschiedenen Pflegeaspekten und zur Prävention, etwa zur Sturzprophylaxe. Auch Erholungsangebote für Angehörige Pflegebedürftiger sind Thema.
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