loading

Nachrichten werden geladen...

Veröffentlicht mit CMS publizer®

KI eröffnet Blinden und Sehbehinderten in Thüringen neue Hilfen im Alltag

Steht digitalen Hilfsmitteln für Blinde aufgeschlossen gegenüber: Joachim Leibiger, Vorsitzender des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Thüringen. (Archivbild) / Foto: Martin Schutt/dpa
Steht digitalen Hilfsmitteln für Blinde aufgeschlossen gegenüber: Joachim Leibiger, Vorsitzender des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Thüringen. (Archivbild) / Foto: Martin Schutt/dpa

Verband: Smarte Brillen und Smartphones erleichtern Blinden und Sehbehinderten den Alltag. Finanzierung und Schulungen für Ältere bleiben offen.

Künstliche Intelligenz (KI) bietet blinden und sehbehinderten Menschen nach Einschätzung ihres Landesverbandes neue Möglichkeiten zur Alltagsgestaltung und Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Hilfreich seien beispielsweise Assistenzsysteme wie smarte Brillen, die Informationen und Texte erkennen und verarbeiten könnten, sagte der Verbandsvorsitzende Joachim Leibiger der Deutschen Presse-Agentur. So sei es etwa möglich, sich von Brillen mit dieser Technologie Texte vorlesen zu lassen. Auch Smartphones mit ihren vielfältigen Funktionen könnten den Alltag von Sehbehinderten erleichtern und würden zunehmend von ihnen genutzt.

Bei den KI-Brillen sei die Technologie in den Brillenbügeln verbaut, erläuterte Leibiger. Die meisten Modelle funktionierten im Zusammenspiel mit einem Smartphone. Für ältere Sehbehinderte könne dies eine Herausforderung sein, räumte er ein. Die Kreisorganisationen des Landesverbandes stünden deshalb vor der Aufgabe, dafür Einführungskurse anzubieten. Mehr als die Hälfte der rund 900 Mitglieder im Blinden- und Sehbehindertenverband Thüringen sind Leibiger zufolge älter als 60 Jahre, 200 Mitglieder sogar älter als 80 Jahre.

Offiziell nicht als Hilfsmittel anerkannt

Weiteres Problem sei, dass digitale Assistenzsysteme bislang meist nicht als medizinische Hilfsmittel anerkannt seien, sagte Leibiger. Somit zahlten die gesetzlichen Krankenkassen Blinden und Sehbehinderten dafür auch nichts.

Um Chancen und Risiken von KI für Sehbehinderte geht es am Freitag auf einer Tagung des Verbandes in Weimar. Zu den Risiken zählt Leibiger etwa den Wegfall von Berufsbildern wie Telefonisten, die über viele Jahre häufig von blinden Menschen ausgeübt wurden. Der Verband befürchtet auch, dass KI bestehende gesellschaftliche Vorurteile gegenüber Blinden häufig reproduzieren und Diskriminierung verstärken könne.

In Thüringen sind nach Verbandsangaben rund 3.100 Menschen offiziell als blind oder sehbehindert anerkannt. Sie erhalten als Nachteilsausgleich ein monatliches Blindengeld von 472 Euro.

Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten